Übertragung und Einleitung der Geburt: Wie lange warten?

Der errechnete Geburtstermin ist verstrichen, aber dein Baby lässt sich weiterhin Zeit? Hier erfährst du, wann man von einer Übertragung spricht – und wann eine Einleitung der Geburt sinnvoll ist.

Der errechnete Geburtstermin ist verstrichen, aber dein Baby lässt sich weiterhin Zeit? Hier erfährst du, wann man von einer Übertragung spricht – und wann eine Einleitung der Geburt sinnvoll ist.

Der Geburtstermin ist verstrichen: Was passiert jetzt?

Das errechnete Geburtsdatum steht seit Monaten dick unterstrichen im Kalender, die Kliniktasche steht schon lange bereit, Vorfreude und Bauch könnten kaum größer sein. Und doch passiert am Termin: nichts. Auch Tage danach deutet nur wenig darauf hin, dass die Geburt endlich beginnt. Da wächst bei vielen werdenden Eltern neben der Ungeduld die Sorge, ob noch alles in Ordnung ist.

Die gute Nachricht: Es ist ganz normal, wenn die Schwangerschaft über den errechneten Geburtstermin hinausgeht. Das gilt vor allem, wenn du dein 1. Kind erwartest. Der Stichtag ist nur eine grobe Orientierung, um den Geburtszeitraum einzugrenzen. In Deutschland gilt eine Geburt innerhalb der 38. bis zur vollendeten 42. Schwangerschaftswoche als termingerecht – also bis zu 3 Wochen vor und 2 Wochen nach dem Stichtag.

Terminüber­schrei­tung oder Über­tragung: Wo liegt der Unter­schied?

Bleibt dein Baby bis zu 13 Tage nach dem errechneten Termin (ET) in deinem Bauch, spricht man von einer Terminüberschreitung. So lange ist weiter Warten angesagt: Über dem errechneten Termin zu liegen, bedeutet grundsätzlich noch keine Komplikation oder Gefahr für dich oder dein Baby.

Um sicherzustellen, dass es dir und deinem Nachwuchs weiterhin gut geht, wird die medizinische Vorsorge intensiviert: Ärztin, Arzt oder Hebamme checken ab dem Überschreiten des Termins 2x wöchentlich eure Gesundheit. Überprüft werden unter anderem die Herztöne, die Bewegungen des Babys, die Menge des Fruchtwassers und die Funktion der Plazenta. Solange dabei alles in Ordnung ist, wird nicht gedrängelt. Denn den eigentlichen Startschuss für die Geburt gibt dein Kind.

Lässt dein Baby aber auch am 14. Tag nach dem errechneten Termin weiter auf sich warten, liegt eine Übertragung der Schwangerschaft vor. Man spricht auch von einer Überreife des Babys. In der Regel wird spätestens jetzt, in SSW 43 (42+0), zur Einleitung der Geburt geraten. Denn ein Fortbestehen der Schwangerschaft nach SSW 42 kann für dich und dein Kind das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Einleitung der Geburt: Warum?

Es gibt verschiedene Faktoren, die eine Geburtseinleitung in der Zeit der Übertragung nahelegen. Das größte Augenmerk liegt auf der Plazenta: Das Organ wird eigens für die Schwangerschaft gebildet, hat aber eine begrenzte „Funktionszeit“. Ab SSW 42 kann ihre Leistung nachlassen. Der Fötus könnte dann nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Eine zu lang andauernde Schwangerschaft kann darüber hinaus weitere Probleme mit sich bringen – sowohl für die Schwangere als auch für das Kind. Selbst wenn das Baby weiter gut versorgt ist, wachsen die Risiken. Für die Mutter gehören dazu die zunehmende Größe und das Gewicht des Babys, was die Geburt erheblich erschwert.

  • Starke Blutungen bei und nach der Geburt

  • Erhöhtes Risiko für Infektionen im Bereich der Gebärmutter oder der Geburtswege, etwa wenn die Fruchtblase lange offen ist

  • Notwendigkeit eines Kaiserschnitts oder einer vaginal-operativen Entbindung mit einer Geburtszange oder Saugglocke

  • Schulterdystokie: Das Köpfchen ist da, aber die Schulter des Babys steckt im Geburtskanal der Mutter fest, oft hinter dem Schambein, was die weitere Geburt blockiert. Das kann bei der Mutter zu schweren Geburtsverletzungen, Blutungen und Infektionen führen.

  • Psychische Belastungen aufgrund einer schweren Geburt (Geburtstrauma)

  • Rückgang des Fruchtwassers, das den Fötus umgibt: Das Kind kann aufgrund der Enge im Bauch in eine Zwangshaltung geraten, es kann zu einer Kompression der Nabelschnur kommen.

  • Gestörter Blutfluss zum Fötus, dadurch drohender Sauerstoffmangel

  • Ausscheiden von Mekonium (1. Stuhlgang des Kindes) vor der Geburt: Es kann vor oder während der Geburt in die Lunge des Babys eindringen und zu Atemnot führen.

  • Verzögertes Wachstum und niedriger Blutzuckergehalt (Glukose), da übertragene Babys am Ende der Schwangerschaft nicht mehr ausreichend ernährt werden

  • Sauerstoffmangel oder Schulter- und Halswirbelverletzungen bei einer Schulterdystokie: Das Köpfchen ist da, aber die Schulter des Babys steckt im Geburtskanal der Mutter fest.

Einleitung vor dem errechneten Entbin­dungs­termin

Die Übertragung der Schwangerschaft ist nicht der einzige Grund, aus dem eine Einleitung der Geburt im Raum stehen kann. Auch schon vor dem errechneten Termin kann dieser Schritt notwendig sein, etwa ab der 37. Schwangerschaftswoche.

Gründe für eine frühere Geburtseinleitung sind u. a.:

  • Das Kind wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
  • Das Kind hat vor dem Geburtstermin bereits ein hohes Körpergewicht erreicht (mehr als 4.000 g).
  • Es ist zu einem vorzeitigen Blasensprung gekommen, aber die Wehen haben noch nicht eingesetzt. Dann steigt die Infektionsgefahr, da durch den Riss die natürliche Barriere der Fruchtblase durchbrochen ist und Keime aufsteigen können.

Faktoren, die außerdem für eine Geburtseinleitung vor dem Termin sprechen können, sind u. a. ein höheres Alter der Frau (über 40 Jahre), Schwangerschaftsdiabetes oder Adipositas. Ob und wann eine Geburt eingeleitet werden sollte, entscheidet das medizinische Geburtshilfe-Team mit dir gemeinsam.

Welche Methoden der Einleitung gibt es?

Wird die Geburt im Krankenhaus eingeleitet, wird zwischen medikamentösen und mechanischen Verfahren unterschieden. Welche zum Einsatz kommen, hängt unter anderem davon ab, wie weit sich dein Körper bereits auf den Geburtsvorgang eingestellt hat – z. B. wie weich oder wie weit geöffnet der Muttermund schon ist. Oft werden mehrere Methoden nacheinander oder kombiniert angewendet.

Mechanische Me­thoden zur Geburts­einleitung

  • Ballonkatether: Ein dünner Schlauch wird in den Muttermund eingeführt und vorsichtig aufgeblasen. Der Druck fördert die Weitung.

  • Synthetische Stäbchen, die Flüssigkeit aufnehmen, aufquellen und so den Muttermund weiten.

  • Manuelle Reize: Hebammen können durch sanfte manuelle Techniken die Ausschüttung wehenfördernder Hormone anregen, z. B. über Brustwarzenstimulation.

  • Amniotomie (Blasensprengung): Die Fruchtblase wird mit einem kleinen Häkchen vorsichtig geöffnet. Das setzt Prostaglandine frei und kann Wehen auslösen. Als alleinige Methode wird sie jedoch selten eingesetzt.

  • Eipollösung (oder Zervix-Stripping): Hebamme, Ärztin oder Arzt massiert mit einem Finger den Gebärmutterhals und löst die Hülle der Fruchtblase (Eihaut) von der Gebärmutterwand ab – auch „Lösung des unteren Eipols“ genannt. Das soll dem Körper das Signal geben, Prostaglandine auszuschütten.

Medikamentöse Methoden zur Ge­burtseinleitung

  • Prostaglandine in Form von Gel, Tabletten oder kleinen Tampon-Bändchen, die lokal an den Muttermund gebracht werden, machen ihn weich und lösen oft die ersten Wehen aus.

  • Oxytocin schüttet der Körper meist selbst aus, um Wehen auszulösen. Bei einer Einleitung wird das Hormon als Wehentropf bzw. Infusion verabreicht, wenn der Muttermund bereits weich und geöffnet ist.

Während der Einleitung wird dein Baby kontinuierlich überwacht. Der Wehenschreiber (CTG) misst die Herzfrequenz deines Babys und zeigt, wie dein Kind auf die Wehen reagiert. So kann das Geburtshilfe-Team während der gesamten Geburt kontrollieren, dass es deinem Kind gut geht. Sollte die Einleitung nicht erfolgreich sein, kann ein Kaiserschnitt notwendig werden.

Ängste vor der Einleitung der Geburt

Viele Schwangere fragen sich das. Wichtig ist: Du hast die gleichen Möglichkeiten zur Schmerzlinderung wie bei einer spontan beginnenden Geburt. Bei einer Geburtseinleitung bist du nicht allein und wirst professionell begleitet. Während eine gute Überwachung bei jeder Geburt sinnvoll ist, ist sie bei einer Einleitung noch engmaschiger, z. B. durch häufigere CTG-Kontrollen. So können Hebamme, Ärztin oder Arzt jede Veränderung frühzeitig bemerken und gemeinsam mit dir entscheiden, welche Schritte als nächstes sinnvoll sind.

Bei einer medikamentösen Einleitung mit einem Wehentropf wird das Hormon Oxytocin über die Vene gegeben, das die Gebärmutter zu Kontraktionen anregt. Unter diesem Einfluss können sich die Wehen schneller aufbauen und dadurch intensiver anfühlen. In seltenen Fällen kann es zu einem sogenannten Wehensturm kommen. Er zeichnet sich durch besonders heftige und kurz nacheinander auftretende Geburtswehen aus, sodass kaum Verschnaufpausen bleiben.

Ein Wehensturm ist eine seltene Überreaktion der Gebärmutter. Dank engmaschiger CTG-Kontrolle können deine Wehen aber überwacht werden und gegebenenfalls medikamentös gelindert werden. Starke, kurz aufeinanderfolgende Wehen können auch bei einer spontan beginnenden Geburt auftreten.

Trotz sorgfältiger Planung und Dosierung kann eine Einleitung – wie jede Geburt – Komplikationen mit sich bringen, in denen weitere medizinische Maßnahmen nötig werden. Vielleicht hast du in diesem Zusammenhang schon von der sogenannten Interventionskaskade gehört. Damit ist gemeint, dass ein erster, oft harmloser Eingriff bei der Geburt eine Reihe weiterer medizinischer Maßnahmen nach sich zieht – bis hin zum Kaiserschnitt. Das passiert bei einer Einleitung aber nur, wenn unerwartete Komplikationen auftreten. Bei einer gut eingeleiteten Geburt werden alle Schritte behutsam geplant. Immer mit dem Ziel, unnötige Eingriffe zu vermeiden und dir Entscheidungsspielräume zu lassen. Auch unter einer Einleitung kann die Geburt also sehr selbstbestimmt und im eigenen Rhythmus stattfinden.

Wenn du unsicher bist, kann ein ausführliches Gespräch mit deinem Geburtshilfe-Team helfen. Dabei kannst du auch deine Wünsche und Erwartungen für die Geburt äußern. Gemeinsam könnt ihr in Ruhe klären:

  • Welche Optionen der Einleitung gibt es?
  • Welche Erfahrungen hat die Klinik damit?
  • Welche Möglichkeiten der Schmerzlinderung können sinnvoll sein?

Fachleute betonen, dass eine medizinisch begründete und korrekt durchgeführte Einleitung der Geburt in der Regel kein zusätzliches Risiko darstellt und nicht automatisch schmerzhafter ist. Im Gegenteil: Sie kann gesundheitliche Risiken für dich und dein Baby verringern, die durch eine weitere Verzögerung der Geburt entstehen könnten.

Kind

Gut versorgt – von Anfang an

Mit den Schwangerschafts-Extras der Pronova BKK sind du und dein Baby rundum gut abgesichert: Umfangreiche Vorsorge, Vorbereitungskurse für dich und dein*e Partner*in sowie digitale Programme begleiten dich durch die Schwangerschaft, Geburt und Zeit danach. Entdecke jetzt, was alles für dich drin ist.