Während der Schwangerschaft: Diese Hormone begleiten dich
Mit Beginn der Schwangerschaft stellt sich dein Körper Schritt für Schritt um. Vieles passiert leise im Hintergrund: Ein komplexes Zusammenspiel hormoneller Signale sorgt dafür, dass er sich kontinuierlich an die wachsenden Bedürfnisse der Schwangerschaft anpasst.
Im Folgenden erfährst du, welche Hormone in dieser Phase besonders aktiv sind und welche Aufgaben sie erfüllen.
hCG: Das 1. Schwangerschaftssignal
Kaum ist die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet, steigt der Spiegel des Hormons hCG (humanes Choriongonadotropin) rasant an. Es sorgt dafür, dass deine Periode ausbleibt und ein Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Das ist frühestens etwa 10-14 Tage nach der Befruchtung möglich, also rund um den Zeitpunkt der fälligen Periode. Erst dann ist genügend hCG im Urin nachweisbar, damit ein herkömmlicher Test zuverlässig reagiert. Ein Bluttest kann hCG bereits etwas früher erkennen, wird aber in der Regel nur bei medizinischer Notwendigkeit durchgeführt.
In den ersten Wochen nach der Befruchtung nimmt hCG weiter zu und erreicht etwa um die SSW 9-10 seinen Höhepunkt. Dieses Hormon ist hauptverantwortlich dafür, dass deine Schwangerschaft stabil bleibt.
- Es verhindert, dass dein Körper einen neuen Eisprung auslöst.
- Es erhält die Gebärmutterschleimhaut und ermöglicht so die Einnistung.
- Außerdem regt es die Produktion von Progesteron an.
Viele typische frühe Anzeichen, etwa Übelkeit, Brustspannen oder Müdigkeit, hängen mit diesem frühen Hormonanstieg zusammen.
Progesteron: Der beruhigende Beschützer
Progesteron ist eines der wichtigsten Hormone in der Schwangerschaft und lässt viele Abläufe in deinem Körper ruhiger und langsamer werden – ein natürlicher Schutzmechanismus, damit sich dein Baby ungestört entwickeln kann.
- Die glatte Muskulatur der Gebärmutter entspannt sich, sodass dein Bauch wachsen kann.
- Deine Bänder, dein Bindegewebe und Teile deiner Muskulatur werden weicher und dehnbarer.
- Die Blutgefäße weiten sich, um die Durchblutung zu verbessern und die Versorgung der Gebärmutter und der Plazenta zu unterstützen.
- Auch die Verdauung wird träger, was zu Verstopfungen führen kann.
- Viele Schwangere fühlen sich schneller müde oder erleben gelegentlich Schwindel.
Diese Veränderungen sind ganz normal: Dein Körper stellt viel Energie für die frühe Entwicklung deines Babys bereit, und das kann sich in den ersten Wochen in Form von Erschöpfung bemerkbar machen.
Östrogen: Der Wachstumsantreiber
Östrogen sorgt dafür, dass dein Körper genügend Ressourcen für 2 Menschen bereitstellt. Viele körperliche Veränderungen der Schwangerschaft hängen direkt mit diesem Hormon zusammen.
- Das Blutvolumen steigt, und die Blutgefäße erweitern sich, damit die Plazenta dein Baby optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann.
- Deine Haut, Schleimhäute und das Zahnfleisch werden stärker durchblutet – der berühmte „Glow“ entsteht durch Östrogen.
- Östrogen beeinflusst das emotionale Erleben und kann Gefühle verstärken.
Weil in der Schwangerschaft mehrere Hormone gleichzeitig wirken, fühlt sich vieles intensiver an als sonst. Emotionale Schwankungen sind daher normal und haben oft direkt mit diesem Hormonmix zu tun.
Relaxin: Der Platzmacher
Relaxin ist das Hormon, das deinen Körper flexibel hält und dir so ermöglicht, die letzten Schwangerschaftswochen und die Geburt gut zu bewältigen.
- Das Bindegewebe lockert sich.
- Gelenke, Muskeln und Bänder werden dehnbarer.
- Dein Becken passt sich an das wachsende Baby an.
Diese Veränderungen erklären aber auch, warum häufig Rückenschmerzen und Beschwerden im Schambeinbereich auftreten – beide entstehen durch die hormonell bedingte Lockerung des Beckenrings, was du besonders beim Gehen oder Umdrehen im Bett merkst.
Oxytocin: Das Bindungshormon
Oxytocin ist das berühmte „Kuschelhormon“, das Nähe und Verbundenheit entstehen lässt. Während der Schwangerschaft unterstützt es deine emotionale Stabilität, später unter der Geburt löst es die Wehen aus. Beim Stillen sorgt Oxytocin für den sogenannten Milchspendereflex – also dafür, dass die Milch beim Saugen deines Babys aus den Milchgängen austreten kann. Dieser Reflex ist nicht mit dem Milcheinschuss zu verwechseln, der erst einige Tage nach der Geburt einsetzt. Zugleich fördert Oxytocin die Bindung zu deinem Baby.
Prolaktin: Der Stillzeitvorbereiter
Schon während der Schwangerschaft steigt der Prolaktinspiegel an. Dieses Hormon sorgt dafür, dass deine Brustdrüsen wachsen und sich auf die Milchbildung vorbereiten. Nach der Geburt wird es zu einem der zentralen Hormone im Wochenbett. Prolaktin beeinflusst oft auch das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug.
Prostaglandine: Die Weichmacher
Prostaglandine werden besonders gegen Ende der Schwangerschaft aktiv, damit sich allmählich schon der Geburtsweg vorbereiten kann: Der Muttermund wird weicher und der Gebärmutterhals kürzer – lange bevor die ersten Geburtswehen einsetzen. Wenn du gegen Ende der Schwangerschaft mehr Druck nach unten oder ein menstruationsähnliches Ziehen spürst, kann das an Prostaglandinen liegen.
Cortisol: Der Signalgeber
Kurz vor der Geburt steigt im Körper deines Kindes der Spiegel des Stresshormons Cortisol an. Das Hormon unterstützt die Lungenreifung und hilft deinem Baby, seinen Stoffwechsel auf das Leben außerhalb der Gebärmutter vorzubereiten.
Das ist ein natürlicher Reifeprozess, mit dem dein Baby deinem Körper signalisiert: Ich bin bereit, geboren zu werden.
Auch bei dir selbst steigt der Cortisolspiegel gegen Ende der Schwangerschaft an. Das zeigt, wie eng ihr hormonell miteinander verbunden seid: Dein Baby bereitet sich aktiv vor, und dein Körper reagiert darauf, indem er sich ebenfalls auf die Geburt einstellt.
Gegen Ende der Schwangerschaft treten andere Hormone in den Vordergrund, um die Geburt einzuleiten und deinen Körper durch diesen besonderen Moment zu steuern.