Das äußere Coming-out: Wie sage ich es den Anderen?

Geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung: Das ist nichts, was du nur mit dir selbst abmachen kannst. Sexualität will schließlich gelebt werden.

Auf einen Blick

  • Das äußere Coming-out bedeutet "Sichtbar werden"
  • Das Gespräch im engsten Umfeld
  • Risiken und Nebenwirkungen?
  • Suche dir Unterstützung

"Sichtbar werden "- Das äußere Coming-out

Entsprechen deine sexuelle Identität und Orientierung nicht den gültigen Mehrheitsnormen, ist es nahezu unausweichlich, das öffentlich zu machen. Du willst deine Bedürfnisse schließlich nicht im Geheimen, sondern ganz selbstverständlich und selbstbewusst ausleben können.

Das Gespräch im engsten Umfeld suchen

Dein engstes Umfeld – Eltern, Geschwister, Freunde – kennt dich gut. Wahrscheinlich haben diese dir nah stehenden Menschen schon das eine oder andere unterschwellige Signal wahrgenommen und fallen nun nicht aus allen Wolken, wenn du ihnen sagst, wie du sexuell fühlst und wie du gern leben würdest. Mach es einfach. Du hast nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen.

Natürlich kann es sein, dass deine Eltern dein Coming-out zunächst nicht mit überschäumender Begeisterung aufnehmen werden – insgeheim fragt sich die eine oder andere Mutter oder mancher Vater vielleicht schon, ob in der Erziehung etwas falsch gelaufen sein könnte. Doch das sind Gedanken, die schnell verfliegen werden, schließlich bist und bleibst du ihr Kind – deine Eltern lieben dich so, wie du bist und werden dir ihre Liebe nicht entziehen.

Sollten deine Eltern zunächst anders reagieren – mit Unverständnis, Enttäuschung oder gar Zorn – lass es nicht gleich zum Bruch kommen. Gib ihnen Zeit, sich in die neue Situation hineinzufühlen. Sollten sie – was auch vorkommen kann – auf Dauer unversöhnlich bleiben: Es ist dein Leben, nicht ihres.

Warten auf den richtigen Moment

Du verschiebst ein schon lange geplantes Coming-out-Gespräch immer wieder, weil scheinbar der richtige Moment noch nicht gekommen ist? Vergiss es. Der hundertprozentig richtige Augenblick wird nie kommen. Deshalb: Setze den Augenblick fest. Und dann rede nicht um den heißen Brei herum, sondern sage geradlinig, was du sagen musst: Mama, Papa, ich bin schwul. Ich bin Lesbisch. Ich will mein Geschlecht ändern. Was auch immer. Es ist nichts, wofür du dich schämen müsstest. Es sind deine Gefühle. Und es ist dein Leben. Warum solltest du dich dafür schämen müssen?

Frei von Risiken und Nebenwirkungen?

Je nach Umfeld kann so ein Coming-out unspektakulär oder dramatisch über die Bühne gehen: Ist dein Umfeld westlich-liberal geprägt, wird man deinen sexuellen Lebensstil in den meisten Fällen akzeptieren und respektieren. In einem religiös-konservativ geprägten Umfeld kann ein Coming-out allerdings ganz andere Folgen haben: Kinder werden von den Eltern verstoßen, Freunde und Verwandte wenden sich ab. Vielleicht wirst du sogar an Leib und Leben bedroht.

Doch nicht nur in archaischen Glaubensgemeinschaften, auch im Sport kann ein Coming-out immer noch mit Risiken behaftet sein. Deshalb will das äußere Coming-out gut überlegt sein – vielleicht offenbart man sich im Zweifelsfall lieber nur im allerengsten Umfeld, in dem man auf Unterstützung zählen kann, und lässt alle anderen im Glauben, man folge deren Regeln? Dein Leben wäre dann eine Gratwanderung. Doch genau die möchtest du ja gern vermeiden. Wenn dein Coming-out sehr bewusst und offen sein soll, brauchst du vielleicht Unterstützer.

In schwierigen Fällen vorher Unterstützung suchen

Ein Coming-out sollte heute selbstverständlich sein und keine unangenehmen Folgen für dich haben. Falls du jedoch Probleme kommen siehst, ziehe vor deinem offiziellen Coming-out Menschen ins Vertrauen, die dir im Zweifelsfall helfen können und würden: Eltern, Geschwistern, Freunde zum Beispiel. Das ist deine Basis für den Fall der Fälle, dein Netzwerk für Rückenstärkung und zugleich dein Rückzugsort.

Danach suche dir strategische Unterstützer. Einen bestimmten Lehrer in der Schule etwa, einen guten Kollegen oder vertrauenswürdigen Vorgesetzten im Betrieb – besprich dich mit ihnen, sprich über mögliche Folgen und Probleme und wie man mit ihnen umgehen kann.

Erst dann, wenn du die Basis und die strategischen Helfer hast, informierst du nach und nach und wo immer es dir sinnvoll erscheint, dein erweitertes Umfeld. Frage dich dabei: Müssen es alle wissen? Wahrscheinlich nicht. Du machst zwar kein Geheimnis daraus, aber musst es auch nicht laut herausposaunen. Je mehr du das Tempo der Information reduzierst, desto unaufgeregter wird dein Umfeld reagieren.

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