Alkohol­ver­giftung: Hinweise erkennen und richtig handeln

Eine Alkoholvergiftung kann lebensgefährlich werden. Erfahre, welche Warnzeichen du kennen solltest, wann du den Rettungsdienst rufen musst und wie du bis zum Eintreffen der Hilfe richtig handelst.
Eine Alkoholvergiftung kann lebensgefährlich werden. Erfahre, welche Warnzeichen du kennen solltest, wann du den Rettungsdienst rufen musst und wie du bis zum Eintreffen der Hilfe richtig handelst.

Was ist eine Alkoholvergiftung?

Eine Alkoholvergiftung entsteht, wenn der Körper mehr Alkohol aufgenommen hat, als er innerhalb kurzer Zeit verarbeiten kann. Der Alkohol gelangt über das Blut ins Gehirn und beeinflusst dort wichtige Funktionen wie Bewusstsein, Atmung und Kreislauf.

Viele Menschen fragen sich, ob es dafür einen bestimmten Promillewert gibt. Die Antwort lautet: Nein. Es gibt keinen festen Wert, ab dem jede Person automatisch eine Alkoholvergiftung entwickelt. Menschen reagieren unterschiedlich auf Alkohol. Besonders gefährlich ist es jedoch, wenn innerhalb kurzer Zeit eine große Menge Alkohol getrunken wird. Diese Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle:

Faktor Warum Alkohol unterschiedlich wirkt
Körpergewicht und Körpergröße Je geringer die Körpermasse, desto schneller steigt die Alkohol­konzen­tration im Körper.
Alter Jugendliche und ältere Menschen reagieren oft empfindlicher auf Alkohol als gesunde Erwachsene mittleren Alters.
Geschlecht Bei Frauen kann dieselbe Alkoholmenge zu einer höheren Alkoholkonzentration im Blut führen, weil sich Alkohol auf weniger Wasser im Körper verteilt.
Trink­geschwindig­keit Je schneller Alkohol getrunken wird, desto stärker steigt die Alkoholkonzentration im Blut an. Da der Körper Alkohol nur langsam abbauen kann, erhöht schnelles Trinken das Risiko einer Alkoholvergiftung.
Vorherige Mahlzeiten Auf nüchternen Magen gelangt Alkohol schneller ins Blut.
Medikamente Manche Medikamente können die Wirkung von Alkohol verstärken oder unerwartet verändern.
Krankheiten oder gesund­heitliche Einschränkungen Erkrankungen der Leber, des Herz-Kreislauf-Systems oder psychische Erkrankungen können die Wirkung und die gesundheitlichen Risiken von Alkohol erhöhen.
Kombination mit anderen Substanzen Die Kombination mit Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln oder anderen Drogen kann Atmung, Kreislauf und Bewusstsein zusätzlich beeinträchtigen.
Untersuchung Icon mit Kreis

Alkoholvergiftung: Was tun?

Ist die Person bewusstlos, nicht ansprechbar oder atmet nicht normal? Sofort 112 anrufen.

Danach Folgendes tun:

  • Person nicht allein lassen
  • Bei normaler Atmung: stabile Seitenlage
  • Atmung regelmäßig kontrollieren
  • Bei fehlender normaler Atmung: Wiederbelebung beginnen

Folgendes nicht tun*:

  • Kalte Dusche
  • Kaffee geben
  • Erbrechen auslösen

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu früh den Rettungsdienst rufen als einmal zu spät.

*Weiter unten im Artikel erklären wir, warum diese Dinge gefährlich sein können.

Warnzeichen einer Alkohol­vergiftung

Eine Alkoholvergiftung entwickelt sich oft schrittweise. Zu Beginn wirken betroffene Personen häufig einfach stark alkoholisiert. Mit zunehmender Alkoholmenge können die Symptome jedoch immer ernster werden.

Erste Warnzeichen

Am Anfang fallen häufig Veränderungen im Verhalten und in der Koordination auf. Mögliche Warnzeichen sind:

  • Unsicheres Gehen oder Stehen
  • Starkes Schwanken
  • Verwaschene Sprache
  • Orientierungslosigkeit
  • Ungewöhnliche Aggressivität oder auffallende Ruhe

Hinzu kommen oft starke Übelkeit und wiederholtes Erbrechen.

Gefährliche Warnzeichen

Mit steigender Alkoholkonzentration kann der Körper lebenswichtige Funktionen nicht mehr zuverlässig steuern. Besonders gefährlich sind:

  • Kaum noch Reaktion auf Ansprache
  • Fehlende Fähigkeit, selbstständig zu sitzen oder zu stehen
  • Bewusstlosigkeit
  • Sehr langsame oder unregelmäßige Atmung
  • Krampfanfälle
  • Auffallende Blässe oder kalte Haut

Treten diese Symptome auf, solltest du nicht abwarten, sondern sofort Hilfe holen.

Manchmal ist die Situation aber nicht eindeutig. Gerade bei stark alkoholisierten Personen kann die Frage aufkommen: Braucht die Person einfach Ruhe oder medizinische Hilfe?

Kater oder Alkohol­ver­giftung?

Einen Kater erkennt man meist am nächsten Tag. Eine Alkoholvergiftung kann bereits während des Trinkens oder kurz danach auftreten und ist ein medizinischer Notfall. Allerdings ist der Unterschied nicht immer sofort erkennbar. Entscheidend sind Bewusstsein, Reaktionsfähigkeit und Atmung. Reagiert eine Person kaum noch auf Ansprache, wird bewusstlos oder atmet auffällig langsam oder unregelmäßig, handelt es sich wahrscheinlich um eine Alkoholvergiftung und es sollte sofort die 112 gewählt werden.

Eine ausführliche Gegenüberstellung von Kater und Alkoholvergiftung findest du in unserem Artikel „Kater nach Alkohol: Was hilft wirklich?“.

Sofort richtig handeln

Wenn du vermutest, dass jemand eine Alkoholvergiftung hat, solltest du schnell handeln.

Viele Menschen zögern, den Rettungsdienst zu rufen. Aus Angst vor Ärger oder weil sie glauben, die Situation werde sich von allein bessern. Bei einer möglichen Alkoholvergiftung ist Abwarten jedoch keine gute Idee. Je schneller eine medizinische Behandlung erfolgt, desto besser.

Sprich die Person laut an und versuche herauszufinden, ob sie wach und orientiert ist.

Achte darauf, ob die Person regelmäßig atmet.

Wenn die Person bewusstlos ist, kaum reagiert oder ungewöhnlich atmet: 112 anrufen.

Atmet die Person normal, ist aber bewusstlos oder stark benommen, solltest du sie in die stabile Seitenlage bringen.

Bleibe bei der Person, bis Hilfe eintrifft. Kontrolliere regelmäßig Atmung und Bewusstsein.

Wenn möglich, teile dem Rettungsdienst mit:

  • Was getrunken wurde
  • Wann getrunken wurde
  • Ob die Person Medikamente wie Schlaf- oder Schmerzmittel sowie andere Substanzen genommen hat
  • Welche Symptome bereits aufgetreten sind

Was du nicht tun solltest

Rund um Alkoholvergiftungen gibt es zahlreiche Mythen. Vielleicht hast du auch schon davon gehört. Viele dieser vermeintlichen Hilfsmaßnahmen sollen eine Person schnell wieder nüchtern machen oder den Alkoholabbau beschleunigen. Tatsächlich können sie eine Alkoholvergiftung jedoch nicht stoppen. Einige Maßnahmen können die Situation sogar verschlimmern oder wertvolle Zeit kosten. Deshalb solltest du dich nicht auf Hausmittel verlassen, sondern im Notfall richtig handeln.

Kaffee macht eine Person nicht wieder nüchtern. Sie kann durch das Koffein höchstens kurzfristig wacher wirken und die Müdigkeit überdecken. Die tatsächliche Beeinträchtigung wird dadurch ggf. unterschätzt.

Eine kalte Dusche beseitigt den Alkohol nicht aus dem Körper. Bei stark alkoholisierten Personen kann sie den Kreislauf zusätzlich belasten.

Versuche nicht, Erbrechen herbeizuführen. Es besteht die Gefahr, dass Erbrochenes in die Atemwege gelangt. Das kann eine Lungenentzündung verursachen oder im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Person daran erstickt.

Viele Menschen denken: „Die Person schläft ihren Rausch einfach aus.“ Genau das kann gefährlich werden. Bewusstlose oder sehr stark alkoholisierte Personen müssen beobachtet werden.

Alkoholkonsum bewusst hinterfragen

Eine Alkoholvergiftung muss nicht automatisch bedeuten, dass eine Alkoholabhängigkeit vorliegt. Sie kann aber ein wichtiges Warnsignal sein. Vor allem dann, wenn folgende Situationen bereits eingetroffen sind:

  • Es gab bereits mehrere ähnliche Vorfälle.
  • Es werden regelmäßig sehr große Mengen Alkohol getrunken.
  • Der Alkoholkonsum geht mit Kontrollverlust einher.
  • Alkohol wird häufig zum Stressabbau genutzt.
  • Es treten körperliche Beschwerden auf.

Dann kann es sinnvoll sein, den eigenen Alkoholkonsum genauer zu betrachten und Unterstützung anzunehmen.

Wenn du dir Sorgen um den Alkoholkonsum eines Menschen in deinem Umfeld machst oder um deinen eigenen, dann suche dir Unterstützung.

Sprich Angehörige oder Freund*innen an. Oft erkennen Menschen von außen problematische Entwicklungen früher als die betroffene Person selbst.

Mentale Gesundheit

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Autor: Onlineredaktion Pronova BKK Zuletzt aktualisiert: 30.09.2026