Das Leben ist bunt - LGBTQ+

LGBTQ+: Diese oder eine ähnliche, zunächst seltsam anmutende Buchstaben- bzw. Zeichenfolge ist wahrscheinlich fast jedem schon mal begegnet. Sie steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer – und verweist auf die Vielfalt möglicher sexueller Ausrichtungen und geschlechtlicher Identitäten.

Auf einen Blick

  • Verschiedene geschlechtliche Identitäten
  • Vielfalt sexueller Ausrichtungen
  • Diskriminierung
  • Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht
  • Die eigene Identität
  • Wir sprechen offen darüber
  • Die Vielfalt der Begrifflichkeiten einfach erklärt

LGBTQ+: Was steckt hinter diesen Buchstaben

Doch wo genau sind die Unterschiede? Und was bedeutet es überhaupt, wenn man sich fremd im eigenen Körper fühlt und eine andere geschlechtliche Identität leben möchte als die, mit der man geboren wurde? Akzeptiert die Umgebung das oder macht man Diskriminierungserfahrungen? Wie ist das in der Schule, der Ausbildung und im Studium? Und wie reagiert die Umgebung auf kindliche oder pubertäre Experimentierfreude mit Geschlechterrollen? Was passiert eigentlich bei einer Diskriminierung? Wie kann man sie verhindern, wo kann man Hilfe bekommen? Wie ist das überhaupt mit der Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht? Und ist das mit der Betonung unterschiedlicher Geschlechtsidentitäten und sexueller Ausrichtungen nicht bloß ein Medienhype? Oder steckt am Ende doch mehr dahinter – nämlich sehr konkrete persönliche Lebenserfahrungen? Lebenserfahrungen, bei denen es nur um eins geht: die eigene Identität.

Diesen Fragen werden wir nachgehen und offen darüber sprechen.

Für den Anfang ein paar Begriffe

Vielfalt ist toll. Aber Vielfalt kann auch verwirrend werden. Und das besonders in der Sprache, wenn Begrifflichkeiten und Zuschreibungen in Bewegung sind, neue hinzukommen und alte wieder von der Bildfläche verschwinden.

Die Zeiten, in denen sich die Welt in männlich und weiblich unterteilte, gehören der Vergangenheit an. Heute ist alles regenbogenbunt. Doch mit dem Fallen der klassischen Kategorien braucht es neue Begrifflichkeiten. So vielfältig wie die Geschlechter sind auch die Bezeichnungen. Während sich manche noch in ein „unsicher“ oder „was auch immer“ retten, erklären sich andere schon als „nicht-binär“, „genderqueer“ oder „pangender“. Doch was bedeuteten diese Begriffe? Viele der neuen Begriffe erklären wir hier:

Agender

Wer sich als agender bezeichnet, fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig. Ein weiteres Wort dafür ist geschlechtslos.

Asexualität

Asexuell sind Menschen, die keine sexuellen Interessen haben, sich weder vom eigenen noch vom anderen Geschlecht angezogen fühlen und auch kein Verlangen nach Sex verspüren. Dennoch können auch solche Menschen in sexuellen Beziehungen leben – etwa um sich einen Kinderwunsch zu erfüllen oder zur Pflege einer Partnerschaft.

Bigender

Menschen, die sich als bigender identifizieren, weisen männliche und weibliche Verhaltensweisen, Merkmale und Eigenschaften auf. Dabei kann die eine oder andere Seite je nach Situation und Kontext ausgeprägter sein als die andere.

Binär

Binär steht für zweiteilig und reduziert auf nur zwei Geschlechter: männlich und weiblich. Andere Geschlechter werden als Abweichung von der (binären) Norm angesehen.

Bisexuell

Bisexualität setzt sich aus der Vorsilbe „bi“ (lateinisch für zwei) und „sexuell“ zusammen. Der Begriff bedeutet, dass bisexuelle Menschen mindestens zwei Geschlechter lieben. Damit sind aber keinesfalls Männer und Frauen gemeint. Wenn du dich als bisexuell bezeichnest, kann das genauso bedeuten, dass du dich beispielsweise in eine non-binäre Person verliebst und in eine Frau. Und noch in einen Mann und noch in eine trans* Person.

Butch

Wörtlich aus dem Englischen übersetzt, bedeutet Butch Kerl. Als Butch bezeichnen sich selbst oft Lesben, die – gemäß heterosexuellen Stereotypen – maskulin auftreten. Ob es „eine Butch“ oder „ein Butch“ heißt, ist nicht genau definiert – beides ist üblich. Auch „butchig“ wird in der Lesbenszene verwendet.

Cisgender

Cisgender meint Menschen, deren Geschlechtsidentität genau dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

Drag Queen

Üblicherweise bezeichnen sich Personen so, die eine männliche Identität besitzen und sich so kleiden, wie es nach der heterosexuellen Norm für das andere Geschlecht vorgesehen ist. Allerdings übertreiben sie dabei stark. Typisch sind zum Beispiel auffallende Kostüme mit Pailletten, Federn und schrillen Farben.

Femme

Femme heißt auf Französisch Frau. Gemeint ist eine Lesbe, die sich – gemäß den heterosexuellen Stereotypen – feminin gibt.

Genderqueer

Ein Überbegriff für Menschen, die nicht in die geschlechterbinäre Norm passen. Außerdem beschreibt genderqueer die Geschlechtsidentität von Menschen, die sich als Frau und Mann (gleichzeitig oder abwechselnd) oder weder als Frau noch als Mann betrachten. Genderqueer lässt sich nicht eindeutig gegen „genderfluid“ oder „nicht-binär“ abgrenzen.

Genderfluid

Genderfluid bedeutet nicht immer dasselbe Geschlecht zu haben, sondern immer wieder ein anderes. Dabei kann sich das Geschlecht nur selten ändern oder sehr oft. Geläufig ist in dem Zusammenhang auch „genderqueer“.

Geschlechtsinkongruenz

Fehlende Übereinstimmung zwischen dem Zuweisungsgeschlecht und der Geschlechtsidentität.

Intersexualität

Als intersexuell werden Menschen mit angeborenen Geschlechtsmerkmalen bezeichnet, die nach den vorherrschenden gesellschaftlichen und medizinischen Normen nicht eindeutig männlich oder weiblich sind. Das kann genetische, hormonelle oder anatomische Merkmale betreffen.

LGBTI

Eine Abkürzung der englischen Wörter: Lesbian, Gay, Bisexual, Transexuell/Transgender und Intersexuell. Sie stammt ursprünglich aus den USA und ist mittlerweile auch in Deutschland üblich. Kritiker des Begriffs bemängeln unter anderem, dass es Menschen gibt, die sich nicht auf einen der Buchstaben in LGBTI festlegen lassen wollen.

Non-binär / nicht-binär

Nicht-binär, non-binär oder im Englischen auch "nonbinary" ist ein Überbegriff für Menschen, die sich nicht eindeutig als Mann oder als Frau sehen. Sie können sich zum Beispiel zwischen diesen beiden Geschlechtern verorten, außerhalb davon oder sich als geschlechtslos – als agender – sehen.

Pangender

Pangender meint, alle Geschlechter zur gleichen Zeit zu haben, also männlich + weiblich + unbekannt. Der Begriff ist umstritten, weil er – wenn man die Definition wörtlich nimmt – bedeutet, dass eine Person Geschlechter hat, die auf sie gar nicht zutreffen können.

Polyamorie

Polyamorie meint die Liebe nicht nur zu einem Partner oder einer Partnerin, sondern zu mehreren. Polyamorie umfasst sowohl die gefühlsmäßige als auch die sexuelle Bindung zu anderen und wird offen im vollen Einverständnis aller Beteiligten gelebt. Im Unterschied zur „freien Liebe“ geht Polyamorie über die rein körperliche Beziehung zu anderen hinaus.

Queer

Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet „seltsam, komisch“. Ursprünglich galt er als Schimpfwort für Homosexuelle. Doch seit den 1990er Jahren wurde er immer beliebter bei Lesben, Schwulen und Bisexuellen – und ist mittlerweile positiv besetzt. Queer dient als Sammelbegriff für alle Personen, die nicht der heterosexuellen Geschlechternorm entsprechen.

Transgender

Transgender ist der Oberbegriff für alle Menschen, die ihre von der heterosexuellen Norm zugewiesene Geschlechterrolle ablehnen und sich nicht darauf reduzieren lassen wollen. Trans stammt vom lateinischen Wort für „jenseits“, „darüber hinaus“. Gender ist Englisch und steht für das soziale Geschlecht.

Transition

Der Begriff Transition bezeichnet den Prozess der Anpassung gemäß der eigenen Geschlechtsidentität. Er umfasst körperliche und geistig-seelische wie auch soziale Aspekte des Wandels.

Transsexualität

Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht, in dem sie bisher gelebt haben, identifizieren und körperlich und sozial im anderen Geschlecht leben möchten, werden als transsexuell bezeichnet. Oft wird angestrebt, den Körper durch hormonelle oder operative Maßnahmen an die gefühlte Identität anzupassen. Die WHO definiert Transsexualität medizinisch als eine „Störung der Geschlechtsidentität“. Viele Transsexuelle fühlen sich durch diese Definition zu Unrecht pathologisiert. Sie sprechen folglich von einer „Geschlechtsanpassung“ und nicht von einer „Geschlechtsumwandlung“.

Transvestit

Ein Transvestit oder eine Transvestitin ist ein Mann oder eine Frau (unabhängig von der sexuellen Orientierung), der oder die sich zeitweilig so kleidet, wie es nach der heterosexuellen Norm für das jeweils andere Geschlecht üblich ist.

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