Polyamorie: Wenn du die ganze Welt umarmen möchtest

Ob homosexuelle oder heterosexuelle Beziehung: Die monogame Paarbeziehung ist in der westlichen Zivilisation die Regel. Geht einer der beiden Partner mal fremd, entsteht eine Ausnahmesituation, die die monogame Regel zwar bricht, aber zugleich auch bestätigt: Sie ist die Norm.

Auf einen Blick

  • Körperliche und emotionale Bindungen
  • Ab drei geht’s los, nach oben gibt’s keine Grenze
  • Gelassenheit statt Eifersucht

Polyamorie: Wenn du die ganze Welt umarmen möchtest

Doch manche Menschen empfinden die klassische Paarbeziehung als zu einengend. Sie sehnen sich nach einer umfassenden Liebe, die nicht nur die eine Partnerin oder den einen Partner kennt, sondern – und zwar gleichzeitig! – andere Menschen mit einbeziehen möchte. Man spricht dann von Polyamorie. Im Unterschied zum meist verheimlichten Fremdgehen vollzieht Polyamorie (also die Liebe zu Vielen) sich ganz offen vor den Augen aller, ohne Qualen der Eifersucht, ohne schlechtes Gewissen, ohne Druck der Rechtfertigung. Man lehnt es ausdrücklich ab, voneinander Besitz zu ergreifen.

Viele polyamoröse Beziehungen tendieren nicht dazu, eindeutig hetero- oder homosexuell zu sein, viele „Vielliebende“ sind bisexuell. Und noch ein wichtiger Hinweis zum besseren Verständnis: Die Polyamorie ist von der Polyandrie bzw. der Polygynie zu unterscheiden, also traditionellen Gesellschaften, in denen entweder eine Frau mehrere Männer oder ein Mann mehrere Frauen gleichzeitig hat – diese traditionellen Formen des Miteinanders haben soziale, religiöse oder ökonomische Ursachen, beruhen nicht immer auf Freiwilligkeit und sind auch kaum als tolerant und offen im Sinne der Polyamorie anzusprechen. Das Konzept der Polyamorie hingegen lebst du ausschließlich freiwillig und aus innerer Überzeugung. Doch wie genau ist das zu verstehen?

Körperliche und emotionale Bindungen

Die Polyamorie ist nicht auf die körperliche Ebene beschränkt: Man liebt immer auch seelisch und damit sozusagen ganzheitlich, ist für den anderen da, Intimität, Zuneigung und Verantwortung ergänzen einander. Genau wie in einer klassischen Zweierbeziehung, nur, dass die Polyamorie sich nicht auf eine Partnerin oder einen Partner beschränkt.

Anders als in der monogamen Paarbeziehung wird auch nicht verheimlicht, dass es da noch andere Menschen gibt – im Gegenteil, es wird alles ganz offen gelebt. Wenn du dir das im Detail vorstellst, ahnst du natürlich, dass das konfliktfreie schöne Ideal irgendwann an seine Grenzen stoßen kann. Dieses Lebensmodell erfordert auf jeden Fall ein hohes Maß an Gelassenheit, Aufrichtigkeit, Toleranz und Großzügigkeit den anderen Beteiligten gegenüber. Denn es geht keineswegs nur darum, dass ab und an jemand Drittes hinzukommt und beim Sex mitmacht.

Ab drei geht’s los, nach oben gibt’s keine Grenze

Polyamouröse Beziehungen sind hinsichtlich der Zahl der Teilnehmenden nicht festgelegt – das polyamouröse Geflecht kann deshalb sehr komplex sein und sich im Prinzip endlos ausdehnen. Eine Dreierbeziehung ist hier eher die Ausnahme – wer polyamourös lebt, bezieht bald auch vier, fünf, sechs oder noch mehr Menschen mit ein.

Das kann natürlich schnell unübersichtlich werden und die Kapazitätsgrenzen eines lebbaren Alltags sprengen. Deshalb wird in der Polyamorie auch zwischen primären, sekundären und tertiären Beziehungen unterschieden. Die primäre Beziehung kann eine klassische Zweierpaarbeziehung sein oder eben eine erweiterte Kernpartnerschaft zu dritt oder viert, in der alle Beteiligten ihre festen zusätzlichen Beziehungen haben – diese sind dann die sekundären Beziehungen. Tertiäre Beziehungen werden nur sporadisch ausgelebt, etwa wenn jemand weiter weg wohnt und man sich nur selten sieht.

Gelassenheit statt Eifersucht

Natürlich kann es trotz des festen Vorsatzes der Toleranz wie in einer klassischen Zweierbeziehung zur Eifersucht kommen – es ist eben alles andere als leicht, den Geliebten oder die Geliebte mit anderen zu teilen. Dennoch gilt: Anstatt Eifersucht zu empfinden, soll man Mitfreude empfinden am Glück des oder der anderen.

Im Grunde geht es darum, die amourösen Verwicklungen unter dem Vorzeichen der Freiheit zu sehen: „Wenn du etwas liebst, lass es frei." Polyamorie ist eine Lebensform. Sie sollte akzeptiert werden.

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