Corona-Krise als negativer Verstärker
Die Corona-Krise wirkt bei psychischen Beschwerden häufig wie ein negativer Verstärker, beobachten Psychotherapeuten. Das betrifft auch den Alkoholkonsum. „Patienten mit Alkoholabhängigkeit haben in der Krise häufig ihr in der Abstinenz geschaffenes soziales Netz eingebüßt. Wegen der Kontaktbeschränkungen haben sich zum Beispiel Selbsthilfegruppen nicht mehr regelmäßig getroffen“, sagt Sabine Köhler, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Jena. „Diese Strukturen sind für Alkoholiker aber enorm wichtig, um trocken zu bleiben. In der Pandemie sind sie deshalb stark gefährdet, einen Rückfall zu erleiden.“ Expertin Köhler hat das selbst erlebt: „Job- und Existenzängste, dazu keine entlastenden Gesprächsrunden mehr mit der Selbsthilfegruppe – nach 15 Jahren griff einer meiner Patienten wieder zur Flasche und ist nun erneut bei mir in Therapie.“