38 % der Deutschen trinken mindestens einmal pro Woche alkoholische Getränke. Zwischen den Geschlechtern bestehen dabei große Unterschiede in diesem regelmäßigen Konsum: Jeder 2. Mann, aber nur knapp mehr als jede 4. Frau greift einmal oder sogar mehrmals pro Woche zu Getränken wie Bier, Sekt oder Schnaps. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem trinken die Deutschen, weil es für 39 % bei Geburtstagen oder Feierlichkeiten einfach dazu gehört.
„Weil Alkohol in unserer Gesellschaft stark in bestimmte soziale Situationen verankert ist, wird das Thema in vielen Kontexten nicht als bewusste Entscheidung wahrgenommen, sondern normalisiert. Wenn etwas als soziale Norm gilt, entsteht oft die unausgesprochene Erwartung, dass sich alle daran orientieren“, sagt Patrizia Thamm, Referentin der Gesundheitsförderung bei der Pronova BKK, Wirtschaftspsychologin sowie Trainerin für Resilienz und Achtsamkeit. „Dazu kommt auch ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Gemeinsames Trinken kann ein soziales Ritual sein und Verbundenheit signalisieren, Verzicht wird dann als Abgrenzung wahrgenommen.“
Rund jede*r 10. hat Angst, als Außenseiter dazustehen und fast jede*r 5. macht einfach mit, weil es die Freunde auch tun. Denn, wer auch nur manchmal verzichtet, fühlt sich oft zu einer Rechtfertigung gedrängt. 31 % der Deutschen mussten sich sogar bereits mehrfach erklären, weil sie einen Drink abgelehnt haben.
„Dabei sollte Alkoholverzicht nicht begründet werden müssen. Eigentlich ist nicht der Alkoholverzicht fragwürdig, sondern die gesellschaftliche Erwartung, dass Trinken der Normalfall ist.“, erklärt Thamm von der Pronova BKK.
Fast 3 von 10 Befragten trinken Alkohol, um sich beispielsweise nach einem anstrengenden Tag zu belohnen. Etwa ¼ greift zum Alkohol, um lustiger und geselliger zu werden. Pronova-BKK-Expertin Thamm rät: „Wenn ich nach einem anstrengenden Tag regelmäßig ein Glas Alkohol trinke, und dabei Entspannung erlebe, verbinde ich den Feierabend mit dieser Belohnung. Irgendwann löst schon die gewohnte Situation den Wunsch nach Alkohol aus. Wer dieses Muster verändern möchte, der sollte die Belohnung durch eine Alternative mit derselben Funktion ersetzen. Das kann Sport, ein kurzer Spaziergang mit dem Lieblingspodcast oder ein bewusster Genussmoment mit einem leckeren Essen sein. Entscheidend ist, dass diese Alternativen Entspannung oder Belohnung bieten. Durch regelmäßige Wiederholung können sie sich mit der Zeit als neue Gewohnheiten festigen.“