41 % der Eltern halten die KI für besser in der Vermitt­lung von Empathie und Respekt als sie selbst

Leverkusen, 10.06.2026: Vor allem Kinder im Alter von 10–13 Jahren nutzen Künstliche Intelligenz (KI) privat und für die Schule: 57 % der Deutschen mit Kindern dieses Alters im Haushalt geben das an. Den Grund sehen etwa gleich viele Eltern in der enormen Erleichterung für Kinder im Alltag, den etwa KI-Chatbots versprechen. Viele glauben sogar, eine KI sei besser geeignet, um Moral und soziale Werte zu vermitteln als die Eltern oder Freunde.
Leverkusen, 10.06.2026: Vor allem Kinder im Alter von 10–13 Jahren nutzen Künstliche Intelligenz (KI) privat und für die Schule: 57 % der Deutschen mit Kindern dieses Alters im Haushalt geben das an. Den Grund sehen etwa gleich viele Eltern in der enormen Erleichterung für Kinder im Alltag, den etwa KI-Chatbots versprechen. Viele glauben sogar, eine KI sei besser geeignet, um Moral und soziale Werte zu vermitteln als die Eltern oder Freunde.

Ausgerechnet diejenigen, die in ihrem Alltag viel mit Kindern zu tun haben, erwarten moralische Erziehungsarbeit von der Technologie. Während 41 % der Eltern von Minderjährigen sagen, Respekt, Fairness und Empathie können in vielen Fällen besser durch eine KI als durch Erziehungsberechtigte oder Freunde vermittelt werden, stimmen dem nur 27 % der Deutschen ohne Kinder im Haushalt zu.

„Die Einschätzung, Werte könnten durch KI vermittelt werden, sagt weniger etwas über die tatsächlichen Fähigkeiten der Technologie aus, sondern vielmehr über das Selbstbild und die Verunsicherung vieler Eltern in ihrer Rolle“, erklärt Nina Grimm, Familienpsychologin für die Pronova BKK. „Überforderte und zu selbstkritische Eltern übertragen die Verantwortung auf die KI und idealisieren dabei eine perfekte Kommunikation. KI antwortet rational, während Eltern menschlich auftreten. Sie sind emotional und nicht fehlerfrei. Aber genau hierin liegt Lern- und Wachstumspotenzial für alle Beteiligten. Wirkliche soziale Kompetenzen können nur im menschlichen Miteinander erlernt werden. Und dazu gehört Konflikt.“

Eltern vertrauen den Erziehungs­tipps der KI

ChatGPT und Co. können Moral oder soziale Fähigkeiten nur erklären, nicht vorleben oder empfinden. Doch obwohl der KI als Gesprächsperson wichtige Fähigkeiten in der zwischenmenschlichen Kommunikation fehlen, verwenden viele Eltern die Technologie im Erziehungsalltag. 93 % der Befragten mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt haben bereits KI für private Zwecke genutzt. Bei Personen ohne Kinder im Haushalt liegt dieser Anteil nur bei 69 %. Konkrete Fragen zum Thema Erziehung haben 58 % der Eltern einer KI wie ChatGPT bereits gestellt, besonders häufig diejenigen mit kleinen Kindern unter 6 Jahren. Diesen Auskünften folgen Eltern fast blind: 64 % überprüfen die KI-generierten Antworten nur manchmal oder nie.

„Viele Eltern sind nicht mehr selbstsicher und souverän, sondern unsicher, zweifelnd und überlastet. Das liegt daran, dass die Welt komplexer und die Ansprüche der heutigen Elterngeneration an Erziehung höher geworden ist. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen oder zu ungeduldig zu sein“, sagt Familienpsychologin Grimm. „Die KI kann mit Tipps helfen, wenn sie einen guten Prompt bekommt, die richtigen Fragen gestellt und die Antworten nach Sinnhaftigkeit überprüft werden. KI denkt nicht und fühlt nicht mit. Wann immer diese Skills gewünscht sind, sollten Eltern darauf verzichten.“

Eltern befürchten, ihre Kinder vertrauen den Tipps der KI mehr als ihnen

Während Eltern selbst KI-Ratschlägen vertrauen, haben sie doch Bedenken gegenüber der Nutzung durch ihre Kinder. 74 % der Befragten mit Minderjährigen im Haushalt sehen eine große Gefahr darin, dass Kinder eher die KI um Hilfe bitten und ihr glauben als ihre Eltern anzusprechen. „Es geht nicht um ,KI vs. Eltern‘, sondern um Zugänglichkeit, Beziehung und Umgang mit Unsicherheit. Kinder bleiben ihren Eltern zugewandt, wenn sie erleben: Ich werde gehört, ich darf fragen, ich werde nicht bewertet, wir finden gemeinsam Antworten“, erläutert Nina Grimm.

56 % der Eltern halten KI-Chatbots für eine enorme Erleichterung für Kinder im privaten Alltag. Doch in welchem Alter die ChatGPT und Co. geeignet sind, darin sind sich die Befragten uneinig: 27 % befürworten eine KI-Nutzung ab 16 Jahren, 14 % erst ab 18 Jahren, aber ebenso viele schon ab 12 Jahren. „Der Wissensdurst von Grundschülern kann ein guter Anlass zur Nutzung von KI sein, immer sehr eng begleitet durch die Eltern. Kinder sollten KI nicht frei und unbegrenzt nutzen – sie brauchen klare, altersgerechte Regeln und Begleitung“, sagt Grimm. „Die 3 wichtigsten Regeln, die Eltern ihren Kindern zu KI vermitteln sollten sind: 1. erst denken, dann fragen, 2. gute Fragen formulieren, 3. Antworten mit neuen Fragen überprüfen.“

In Zukunft können sich Eltern vorstellen, dass KI nicht nur aktiv für Fragen genutzt wird, sondern als Hilfe im Hintergrund agiert. Beispielsweise befürworten 79 % eine KI, die das Online-Verhalten der Kinder beobachtet und Gefahren für Cybermobbing erkennt. Fast gleich viele wünschen sich eine KI, die automatisch eingreift, wenn ein Kind im Begriff ist, sich selbst oder anderen zu schaden.

Über die Studie

Für die repräsentative Studie „KI im Alltag 2026“ der Pronova BKK wurden 3.485 Frauen und Männer ab 18 Jahren im März 2026 online befragt. Darunter befinden sich 2.005 Personen mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt. Die Befragung gibt einen Einblick, inwieweit die KI schon Einzug in den privaten Alltag der Bevölkerung genommen hat. Besondere Schwerpunkte setzt die Umfrage auf die private Nutzung von KI für partnerschaftliche, erzieherische und gesundheitliche Belange.

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