40 % der jungen Nutzer*innen plaudern lieber mit der KI als mit dem Freundes­kreis

Leverkusen, 06.05.2026: Künstliche Intelligenz (KI) ist im Alltag der Deutschen angekommen – getrieben vor allem durch die Gen Z. 96 % der 18- bis 29-Jährigen nutzen KI privat für Recherche, Ratschläge oder eine nette Plauderei. Diese jungen Nutzer*innen finden es mehrheitlich völlig normal, sich mit Chatbots zu unterhalten. Oft erscheint ihnen der Austausch mit ChatGPT und Co. sogar unterhaltsamer als Gespräche mit ihren Freund*innen oder Verwandten.

Leverkusen, 06.05.2026: Künstliche Intelligenz (KI) ist im Alltag der Deutschen angekommen – getrieben vor allem durch die Gen Z. 96 % der 18- bis 29-Jährigen nutzen KI privat für Recherche, Ratschläge oder eine nette Plauderei. Diese jungen Nutzer*innen finden es mehrheitlich völlig normal, sich mit Chatbots zu unterhalten. Oft erscheint ihnen der Austausch mit ChatGPT und Co. sogar unterhaltsamer als Gespräche mit ihren Freund*innen oder Verwandten.

Warum noch mit menschlichen Freund*innen sprechen, wenn ich jederzeit und überall mit der künstlichen Intelligenz (KI) chatten kann – und sie genauso antwortet, wie ich es mir wünsche. So denken anscheinend viele unter 30-Jährige und auch 30 % der KI-Nutzer*innen aller Altersgruppen. „Unsere sozialen Fähigkeiten verarmen, wenn wir der KI gegenüber menschlichen Gesprächen den Vortritt geben. KI fördert klare, fertige Antworten statt offener Gesprächsprozesse und verändert damit bereits das Kommunikationsverhalten“, sagt Patrizia Thamm, Referentin der Gesundheitsförderung bei der Pronova BKK sowie Trainerin für Resilienz und Achtsamkeit, „In der Auseinandersetzung mit anderen Menschen erleben wir Reibungen, abweichende Perspektiven, Kritik und Unsicherheit. Genau daran wachsen wir. Wenn Menschen diese Erfahrungen zu stark an KI auslagern, trainieren sie wichtige Fähigkeiten wie Frustrationstoleranz, Konfliktfähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion weniger. Hinzu kommt: KI ist darauf ausgelegt, eher bestätigend als konfrontativ zu antworten. Doch Widerspruch brauchen wir, weil er uns vor einem verzerrten Selbstbild schützt.“

Deutsche nutzen KI zunehmend im privaten Alltag

Die Anwendung von KI-Tools hat längst die Mitte der Gesellschaft erreicht und alle Altersgruppen durchdrungen. 75 % verwenden KI bereits für persönliche Zwecke wie etwa für Ratschläge zu Ernährung, Sport oder Finanzen. Sogar in der Generation 60+ nutzt sie mehr als jede*r Zweite privat, um schnell Informationen zu recherchieren, Aufgaben zu lösen oder Ratschläge etwa zu Ernährung und Finanzen zu erhalten.

Die digital Natives sehen in der KI allerdings mehr als ein Recherchetool: 64 % der unter 30-Jährigen halten es für völlig normal, dass Menschen sich mit KI-Chatbots über persönliche Dinge unterhalten. „Die Jüngeren sind mit digitalen Systemen aufgewachsen und vertrauen ihren Ergebnissen tendenziell mehr. Dazu kommt ein starkes Bedürfnis nach Orientierung in dieser Lebensphase, weil sie viele Entscheidungen zum 1. Mal treffen. KI kann hier helfen“, erklärt Wirtschaftspsychologin Thamm.

Rund 3/4 der Nutzer*innen vertrauen KI-Tipps fast blind

Der Ratschlag einer KI kann hilfreich sein, aber auch schlicht falsch. Denn die Technologie ist fehleranfällig: Etwa jede*r 2. junge KI-Nutzer*in ist bereits auf Fake News oder Halluzinationen der KI reingefallen. Trotzdem bleibt das Vertrauen gerade der Generation Z groß. 82 % der unter 30-jährigen KI-Nutzer*innen überprüfen die Antworten von ChatGPT und Co. nur selten oder nie. Rund ¾ haben einem Chatbot bereits persönliche Informationen gegeben – zu Alter, Geschlecht und mehr. Und das, obwohl 67 % der jungen KI-Nutzer*innen große Sorge haben, dass die Informationen aus Gesprächen mit KI-Chatbots in falsche Hände gelangen.

„Bei der KI kann ich schnell nachfragen und bekomme hilfreiche Antworten, sie kann auch Entscheidungsprozesse mit begleiten. Doch der goldene Weg ist die Balance zwischen dem Einsatz von KI und der eigenen Intuition – eine hybride Entscheidungskompetenz“, sagt Thamm.

Mit KI gegen die Einsamkeit

Entscheidungen lassen sich oft leichter treffen nach einem reflektierenden Gespräch mit vertrauten Personen wie Freund*innen oder Partner*innen. Doch viele Menschen sind einsam. 70 % der unter 30-Jährigen sind er Meinung, dass die KI für einsame Menschen ein wertvoller Gesprächspartner sein kann. Von den Menschen ab 60 Jahren sagen das nur 46 %. „Für Einsame kann KI eine niedrigschwellige Gesprächsinstanz sein und kurzfristig das Gefühl sozialer Leere reduzieren. Doch sie kann auch die Einsamkeit verschlimmern, wenn eine Person nur noch diesen Kontakt sucht – sie bleibt ein System ohne eigenes Empfinden und ersetzt keine realen Beziehungen“, erklärt Wirtschaftspsychologin Thamm. „KI sollte nicht als primäre Quelle für emotionale Nähe oder soziale Bestätigung dienen. Wir sollten sie reflektiert für Inspiration, Austausch und Orientierung nutzen, ohne dabei zwischenmenschliche Nähe aus dem Blick zu verlieren.“

Über die Studie

Für die repräsentative Studie „KI im Alltag 2026“ der Pronova BKK wurden 3.485 Frauen und Männer ab 18 Jahren im März 2026 online befragt. Darunter befinden sich 2.005 Personen mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt. Die Befragung gibt einen Einblick, inwieweit KI Einzug in den privaten Alltag der Bevölkerung genommen hat. Besondere Schwerpunkte setzt die Befragung auf die private Nutzung von KI für partnerschaftliche, erzieherische und gesundheitliche Belange.

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