Zytomegalie-Infektion in der Schwanger­schaft

Das Zytomegalie-Virus, das für die meisten Menschen ungefährlich ist, kann für das ungeborene Kind gefährlich werden. Was in einigen Fällen passieren kann, wie du dich testen lassen und wie du dich und dein Baby schützen kannst, erfährst du hier.
Das Zytomegalie-Virus, das für die meisten Menschen ungefährlich ist, kann für das ungeborene Kind gefährlich werden. Was in einigen Fällen passieren kann, wie du dich testen lassen und wie du dich und dein Baby schützen kannst, erfährst du hier.

Zytomegalie: Wissen­schaft­lich fundiert, einfach erklärt

Das Wissen über die Bedeutung von Zytomegalie in der Schwangerschaft ist noch nicht so weit verbreitet wie bei anderen Infektionen. Zudem kursieren gerade auf Social Media immer wieder viel Halbwissen und falsche Informationen, die Angst machen können.

Deshalb wollen wir die Fakten darstellen und zeigen, was jede Schwangere oder Frau mit Kinderwunsch tun kann, um das Risiko einer CMV-Infektion zu verringern, und welche Möglichkeiten es im Falle einer bereits erfolgten Ansteckung gibt. Hierzu haben wir unter anderem mit Prof. Dr. med. Karl Oliver Kagan gesprochen, Spezialist und Mitautor der Leitlinie zum Umgang mit CMV in der Schwangerschaft.

Häufig­keit und Über­tragung des Zyto­megalie-Virus

Vielleicht hast du schon vom Zytomegalie-Virus (CMV) gehört und fragst dich, was das für dich und dein Baby bedeutet. Das Virus stammt aus der Familie der Herpesviren und ist in Deutschland recht verbreitet. Auch wenn es keine exakten Zahlen gibt, schätzt man, dass hier etwa 40 bis 50 % der Erwachsenen das Virus bereits in sich tragen – meist ohne es überhaupt zu bemerken.

Die Übertragung des Virus erfolgt ausschließlich von Mensch zu Mensch durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten: Tränenflüssigkeit, Speichel, Urin, Genitalsekret sowie Muttermilch und Blut können das Zytomegalie-Virus enthalten. Eine Tröpfcheninfektion durch bloßes Husten oder Niesen über weite Distanzen ist hingegen sehr unwahrscheinlich; das Virus benötigt den direkten Schmierkontakt.

Gerade für Schwangere, die viel Kontakt mit Kleinkindern unter 3 Jahren haben, z. B. als Mutter oder Angehörige, in der Kita oder als Tagesmutter, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Es ist dann auch gut möglich, dass die Schwangere das Zytomegalie-Virus bereits in sich trägt. Wenn sich kleine Kinder zum 1. Mal mit CMV infizieren, scheiden sie das Virus oft über Monate oder sogar Jahre in größeren Mengen aus (z. B. über Tränen oder Speichel) – und das meistens, ohne selbst Symptome zu zeigen. Bei manchen Kindern wurde die Ausscheidung des Virus sogar bis zum 8. Lebensjahr beobachtet.

Wie bei allen Herpesviren gilt auch beim Zytomegalie-Virus: Wer sich einmal angesteckt hat, trägt das Virus ein Leben lang in sich. Nach der 1. Infektion ruht der Erreger im Körper. Er kann jedoch wieder aktiv werden (Reaktivierung), vor allem, wenn das Immunsystem einmal geschwächt sein sollte.

Wie können sich Schwangere vor einer Ansteckung schützen?

In der Schwangerschaft (und bei Kinderplanung bereits vor Eintreten der Schwangerschaft) sind Präventionsmaßnahmen gegen CMV das oberste Gebot. Dies gilt vor allem für Schwangere, die noch keine Zytomegalie-Infektion hatten. Aber auch wenn man bereits eine Infektion hatte, kann man sich noch einmal mit einem anderen Virenstamm infizieren. Da Kleinkinder die Hauptüberträger sind, richten sich die Schutzmaßnahmen vor allem an Mütter, die bereits ein Kind unter 3 Jahren haben, sowie an Frauen, die beruflich mit Kleinkindern arbeiten (z. B. Erzieherinnen).

Die wichtigsten Hygieneregeln im Alltag:

  • Hände waschen: Nach jedem Windelwechseln, nach dem Naseputzen des Kindes, nach dem Füttern und nach dem Kontakt mit Speichel sollten die Hände gründlich (mind. 20 s) mit Wasser und Seife gewaschen werden.
  • Kein Speichelkontakt: Schwangere sollten nicht denselben Löffel, dieselbe Gabel oder denselben Becher wie das Kleinkind benutzen. Auch das Ablecken des Schnullers ist absolut tabu. Speisereste des Kindes sollten nicht aufgegessen werden.
  • Küsschen-Regel anpassen: Um den Kontakt mit infektiösem Speichel zu vermeiden, sollten Kleinkinder während der Schwangerschaft lieber auf die Stirn geküsst werden, anstatt auf Mund oder Wange.
  • Hygiene im Bad: Schwangere sollten ihr eigenes Handtuch benutzen und Zahnbürsten so aufbewahren, dass sie nicht mit denen anderer Personen in Kontakt kommen.
  • Gegenstände und Oberflächen, die mit Körperflüssigkeiten von Kleinkindern in Berührung gekommen sind, sollten gründlich gesäubert werden.

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Gut zu wissen

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Symptome einer Zytomegalie-Infektion

Hat man sich mit dem Zytomegalie-Virus angesteckt, sind die Symptome unspezifisch. Bei gesunden Erwachsenen und älteren Kindern verläuft eine Erstinfektion und Reaktivierung in den meisten Fällen sogar ohne Symptome. Das bedeutet, die Betroffenen merken überhaupt nicht, dass sie sich mit dem Virus angesteckt haben.

Treten dennoch Symptome auf, ähneln diese meist einem grippalen Infekt. Zwischen Ansteckung und Symptomen liegen in der Regel 4 bis 6 Wochen. Typische Anzeichen sind:

  • Leichtes bis mäßiges Fieber
  • Lymphknotenschwellungen (besonders im Halsbereich)
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Gelegentlich leicht erhöhte Leberwerte

Schwere Krankheitsverläufe sind möglich, treten aber selten und vor allem bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auf.

Laut Robert Koch-Institut haben rund 75 % der Frauen, die sich während der Schwangerschaft mit dem Zytomegalie-Virus infizieren, keine Symptome.

Risiken einer Zytomegalie-Infektion

Die Infektion mit CMV ist die häufigste konnatale (bei Geburt bereits bestehende) Infektion Neugeborener. Schätzungsweise werden in Deutschland jährlich bis zu 4.500 Kinder mit einer Zytomegalie-Infektion geboren. Während das Immunsystem von gesunden Erwachsenen, Babys und Kindern meist problemlos mit dem Zytomegalie-Virus fertig wird, ist das Immunsystem des ungeborenen Kindes noch in der Entwicklung. Deshalb kann der Erreger vor allem in der Frühschwangerschaft ein Risiko für die Entwicklung und Gesundheit des ungeborenen Kindes darstellen.

Wenn sich eine Frau kurz vor oder während der Schwangerschaft infiziert, kann das Zytomegalie-Virus über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen (sogenannte materno-fetale Übertragung). Eine Infektion der Mutter vor der 14. Schwangerschaftswoche birgt ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung und die Entwicklung von Gesundheitsproblemen beim Baby. Durchschnittlich stecken sich im 1. Trimester 3-4 von 10 Kindern im Mutterleib an. Von diesen 3-4 Kindern hat wiederum durchschnittlich 1 Kind Gesundheitsprobleme oder Entwicklungsstörungen. Das heißt, das Risiko, dass ein Kind sich ansteckt und dadurch Gesundheitsprobleme entwickelt, liegt bei etwa 1 zu 10.

Mögliche Folgen können unter anderem sein:

  • Hörminderung oder Taubheit (CMV ist mit 25 % die häufigste Ursache für frühkindlichen Hörverlust)
  • Epilepsie
  • Sehbehinderungen
  • Geistige Behinderung
  • Vergrößerte Leber und Milz
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Punktförmige Hauteinblutungen
  • Ein zu kleiner Kopfumfang (Mikrozephalie)
  • Ein zu geringes Geburtsgewicht

Um das Risiko für das Baby richtig einzuschätzen, sind vor allem 2 Fragen wichtig:

1. Ist es die allererste Infektion mit CMV oder gab es in der Vergangenheit schon Kontakt mit dem Virus und der Körper hat bereits Antikörper gebildet?

2. Falls es eine Erstinfektion ist: zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft ist sie erfolgt?

Der Schutz nach einer zurückliegenden Infektion

Wenn sich eine Schwangere bereits längere Zeit vor der Schwangerschaft mit dem Zytomegalie-Virus angesteckt hat, konnte der Körper in der Regel bereits Antikörper und weitere Abwehrmechanismen aufbauen. Selbst wenn das Virus während der Schwangerschaft wieder aktiv wird oder es zu einer Neuinfektion mit einem anderen CMV-Stamm kommt (Zweitinfektion), ist dies für das ungeborene Kind deutlich weniger gefährlich. Man schätzt, dass bei einer solchen bestehenden Immunität das Risiko einer Ansteckung des ungeborenen Kindes nur bei etwa 1 % liegt.

Wenn es eine Erstinfektion in der Schwangerschaft ist

Bei einer Erstinfektion während der Schwangerschaft fehlt dieser erste Schutz durch die mütterlichen Antikörper und Abwehrmechanismen noch. Zur Beurteilung des Risikos für das ungeborene Kind spielt der Infektionszeitpunkt während der Schwangerschaft eine entscheidende Rolle:

  • In den ersten 3 Monaten (1. Trimester): Die Übertragungsrate des Virus über die Plazenta liegt bei etwa 30 bis 40 %. Bei etwa 1/4 der in dieser Frühphase der Schwangerschaft infizierten Kinder treten Gesundheitsprobleme auf, da in dieser Phase die Organe und das zentrale Nervensystem ausgebildet werden. Das heißt, das Risiko, dass ein Kind sich ansteckt und Gesundheitsprobleme entwickelt, liegt bei etwa 1 zu 10.
  • Im weiteren Verlauf (2. Trimester): Danach nimmt das Risiko für Schäden deutlich ab. Infektionen, die nach der 14. Schwangerschaftswoche auftreten, führen seltener zu Problemen.
  • Im letzten Drittel der Schwangerschaft (3. Trimester): In dieser Phase ist die Übertragungsrate des Zytomegalie-Virus mit ca. 80 % zwar statistisch am höchsten, aber bei Infektionen im 3. Trimester treten nur sehr selten Folgeschäden auf.

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Was jetzt wichtig ist

Eine Zytomegalie-Infektion während der Schwangerschaft ist für eine gesunde Schwangere selbst in der Regel ungefährlich. Zwar kann das Virus auf das ungeborene Kind übertragen werden und gesundheitliche Schäden verursachen – doch die Zahl der Kinder, die tatsächlich schwer erkranken, ist glücklicherweise gering. Die meisten Babys kommen ohne schwere Gesundheitsprobleme zur Welt.

„Mein Rat bei einem positiven Test: Auch wenn es schwerfällt: Man sollte erst einmal versuchen, Ruhe zu bewahren und sich klarzumachen, dass eine Infektion in der Mehrzahl der Fälle glimpflich verläuft. Die Schwangere sollte dann direkt mit ihrer Frauenärztin/ihrem Frauenarzt über die ganz eigene Situation und die passenden Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten sprechen“, erklärt Dr. med. Anke Hurst, Beratungsärztin bei der Pronova BKK.

Zytomegalie-Test: Blut­unter­suchung zur Diagnose

Um zu unterscheiden, ob eine CMV-Infektion in der Vergangenheit stattgefunden hat oder ob eine frische Infektion vorliegt, gibt es eine Blutuntersuchung. Hierbei sucht das Labor nach speziellen Abwehrstoffen, den sogenannten Antikörpern (Immunglobulinen, IgG und IgM). Für den Befund gibt es 3 mögliche Ergebnisse:

Es gibt noch keine Antikörper (seronegativ): In diesem Fall gehört die Schwangere zur Risikogruppe für eine Erstinfektion.

Es gibt Antikörper, die für einen früheren Kontakt sprechen (seropositiv): Wenn IgG-Antikörper vorhanden sind, IgM-Antikörper aber nicht (mehr), bedeutet das, dass eine Infektion schon früher einmal durchgemacht wurde und der Körper eine Abwehr aufgebaut hat. Für das Baby ist das Risiko in diesem Fall gering.

Es gibt Antikörper, die für einen frischen Kontakt sprechen (frische Infektion): Sollten beide Antikörperklassen (IgG und IgM) nachgewiesen werden, schaut man sich diese ganz genau an. Dabei hilft die sogenannte Antikörper-Avidität. Das klingt kompliziert, bedeutet aber einfach nur: Wie stark binden sich die Antikörper an das Virus, d. h. wie passgenau sind sie schon? Je besser sie passen, desto effektiver sind die Antikörper.

  • Eine niedrige Avidität deutet darauf hin, dass die Infektion erst vor kurzem passiert ist (meist in den letzten 3 Monaten).
  • Eine hohe Avidität spricht eher für eine länger zurückliegende Infektion.

Diese genaue Untersuchung ist wichtig, um das Risiko für das ungeborene Kind einzuschätzen und damit sichergestellt wird, dass nur Schwangere eine Therapie angeboten bekommen, die tatsächlich eine frische Infektion haben.

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Kostenübernahme durch uns

Bislang ist der Test keine Standardleistung der gesetzlichen Mutterschaftsrichtlinien, sondern wird als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet.

Die Pronova BKK hat aber die Wichtigkeit dieser Untersuchung erkannt: Im Rahmen unseres Leistungszuschusses für Schwangere übernehmen wir die Kosten für den Test: Reiche dazu einfach die Rechnung ein. Pro Schwangerschaft stehen dir bis zu 125 € für Tests auf Windpocken, Ringelröteln, Toxoplasmose und Zytomegalie zu.

Vorgehen bei einer frischen CMV-Infektion

Wichtig zu wissen: Ein positiver CMV-Befund bedeutet nicht automatisch, dass das Kind mit Gesundheitsschäden auf die Welt kommen wird. Eine genauere Untersuchung und eine engmaschige Überwachung zusätzlich zur regulären Schwangerschaftsvorsorge sind nun wichtig, um die bestmögliche Betreuung der Schwangeren und des ungeborenen Kindes sicherzustellen.

Frauenärzt*innen sollten betroffene Schwangere von einer spezialisierten Praxis für Pränataldiagnostik (DEGUM II/III) mitbetreuen lassen. Dort werden alle 2 bis 4 Wochen detaillierte Feinultraschall-Untersuchungen durchgeführt, um die Fruchtwassermenge, das Wachstum des Babys und seiner Organe und die Durchblutung der Plazenta zu untersuchen.

Es wurden und werden verschiedene Möglichkeiten untersucht, das Risiko einer Infektion des ungeborenen Kindes durch eine medikamentöse Behandlung zu senken. Für den Wirkstoff Valaciclovir existieren Daten zur Wirksamkeit. Für andere Behandlungsansätze ist die Datenlage allerdings noch unzureichend oder stark eingeschränkt.

Prophylaxe mit dem antiviralen Wirkstoff Valaciclovir

Wenn eine frische CMV-Infektion nachgewiesen wurde, kann die Schwangere zusammen mit ihrer Frauenärztin bzw. ihrem Frauenarzt entscheiden, ob eine vorsorgliche Behandlung mit dem antiviralen Wirkstoff Valaciclovir in ihrem Fall infrage kommt. Valaciclovir ist ein bekannter Wirkstoff, der auch bei anderen Herpesinfektionen eingesetzt wird. In der Schwangerschaft wird er aber „off label“ eingesetzt, das heißt, es gibt keine offizielle Zulassung für diese Situation.

Ziel der Prophylaxe ist es, die Wahrscheinlichkeit einer kindlichen Infektion zu verringern. „Durch die Gabe von Valaciclovir kann das Risiko einer kindlichen Infektion im Mutterleib auf etwa 10 % reduziert werden“, erklärt Prof. Kagan, Mitautor der Leitlinie zu CMV.

Damit die Prophylaxe bestmöglich wirken kann, sollte sie idealerweise bis zur Schwangerschaftswoche 14 (13+6) begonnen werden. „Entscheidend ist, ob und wann sich das ungeborene Kind im Mutterleib ansteckt.“, so Prof. Kagan, „mit Valaciclovir sollte die Wahrscheinlichkeit einer kindlichen Infektion reduziert werden. Um Verzögerungen bei der Diagnosestellung miteinzurechnen, kann eine Therapie bis 16+ Schwangerschaftswochen begonnen werden. Bei einer Infektion in späteren Schwangerschaftsmonaten ist das Risiko deutlich geringer, so dass eine Therapie nicht empfohlen wird.“ In jedem Fall sollte das Neugeborene kurz nach der Geburt gezielt auf Zytomegalie untersucht werden.

Die Studienlage ist noch nicht sehr umfangreich, aber bisher durchgeführte Studien zu 527 Schwangerschaften konnten zeigen, dass das Risiko einer Ansteckung des ungeborenen Kindes um 2/3 gesenkt werden konnte. Das heißt: Von 3 Infektionen, die ohne Behandlung auftreten würden, können 2 durch die Behandlung mit Valaciclovir verhindert werden.

Auch Daten aus der Anwendung z. B. aus Großbritannien und Frankreich stützen diese Ergebnisse. Seit 2025 gibt es eine neue Leitlinie, in der das mögliche Vorgehen genau beschrieben wird.

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Wichtig für dich

Wenn du dich zusammen mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt entschlossen hast, einen Antrag auf die Off-Label-Behandlung mit Valaciclovir bei uns zu stellen, unterstützen wir dich, indem wir diesen rasch prüfen und dir so schnell wie möglich Rückmeldung geben.

Wie läuft die Behand­lung mit Va­la­ci­clovir genau ab?

Optimal wäre, wenn die Behandlung mit Valaciclovir im Rahmen einer Studie stattfinden könnte, damit die Schwangere und das Baby optimal überwacht sind. Da das meist nicht möglich sein wird, ist es umso wichtiger, dass sich die behandelnde Ärztin oder Arzt an der aktuellen Leitlinie zu CMV-Infektionen bei Schwangeren orientiert.

Um einen ausreichenden Wirkspiegel von Valaciclovir zu erreichen, ist die Dosierung höher als bei anderen Anwendungsgebieten. Die Gesamtdosis (8 g pro Tag) muss deshalb über mehrere Einnahmen am Tag (mindestens 4, besser 8 Einnahmen) verteilt werden, um das Risiko für Nierenstörungen gering zu halten. Wenn mögliche Nebenwirkungen wie Nierenstörungen gut überwacht werden, kann es nach heutigem Kenntnisstand aber mit vertretbarem Risiko angewendet werden.

Wichtig: Eine vergessene Einnahme soll nicht nachgeholt werden, sonst steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Die vergessene Gabe wird ausgelassen und mit dem nächsten geplanten Zeitpunkt fortgesetzt.

Kontrolluntersuchungen: Besonders zu Beginn der Therapie sollten etwa alle 2 Wochen die Nierenwerte mit einer Blutabnahme überprüft werden. Kontrollen der Blutzellen („Blutbild“) werden ebenfalls empfohlen.

Weiteres Vorgehen nach einer Behandlung

In der Regel wird zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt, um zweifelsfrei festzustellen, ob das Virus das ungeborene Baby infiziert hat. Die Untersuchung ist wichtig, denn das Ergebnis ist entscheidend für das weitere Vorgehen. „Das Risiko einer Fehlgeburt durch eine Fruchtwasseruntersuchung ist heute sehr gering und liegt bei etwa 0,1 %“, so Prof. Kagan. „Wenn die Fruchtwasseruntersuchung auffällig ist, muss in einem gemeinsamen Gespräch mit erfahrenen Expertinnen und Experten das individuelle weitere Vorgehen (beispielsweise eine Fortführung der antiviralen Behandlung) besprochen werden. Ist die Fruchtwasseranalyse jedoch unauffällig, ist zunächst keine weitere Behandlung erforderlich. In jedem Fall sollte das Neugeborene kurz nach Geburt auf CMV untersucht werden.“

Dokumentation der Behandlung

Die Behandlung mit Valaciclovir sollte im Mutterpass und nach der Geburt auch im gelben Untersuchungsheft des Kindes eingetragen werden (Therapiedauer, Dosierung und Nebenwirkungen). So können später alle Details nachvollzogen werden.

Um das verfügbare Wissen über Verläufe zu vergrößern, sollten durchgeführte Behandlungen und der weitere gesundheitliche Verlauf von der Ärztin/dem Arzt in einem Register dokumentiert werden. Das ist z. B. hier möglich: https://ccmvnet.org/registry/. Ein nationales Register existiert bisher nicht.

FAQ zur Zytomegalie-Infektion in der Schwanger­schaft

Ja, das ist möglich. Gerade in der Frühschwangerschaft bildet der Körper zur Abwehr manchmal Antikörper, die im Test fälschlicherweise den Verdacht auf eine frische Infektion wecken können. Durch eine Zusatzuntersuchung (Aviditätsbestimmung) lässt sich dies überprüfen.

Ja, das Stillen ist in der Regel kein Problem. Zwar kann das Virus durch die Muttermilch übertragen werden, für reifgeborene, gesunde Kinder ist das aber in der Regel unbedenklich. Eine Infektion nach der Geburt verläuft bei ihnen meist genauso harmlos wie bei gesunden Erwachsenen. Eine wichtige Ausnahme gibt es jedoch: Für frühgeborene Kinder kann eine Ansteckung aufgrund ihrer Unreife gefährlich sein. In diesem Fall wird dich dein Ärzteteam im Krankenhaus individuell beraten.

Die aktuelle AWMF-Leitlinie (2025) empfiehlt, den CMV-Status (IgG) idealerweise schon bei Kinderwunsch oder ganz zu Beginn der Schwangerschaft zu bestimmen.

Expert*innen (u. a. von der Charité und dem Robert Koch-Institut) empfehlen nach einer nachgewiesenen Erstinfektion eine Wartezeit von etwa 6 Monaten, bevor versucht wird, schwanger zu werden. In dieser Zeit sinkt die Viruslast im Blut deutlich ab, und der Körper bildet eine Immunabwehr aus.

Nach einer Infektion können Betroffene das Virus über Wochen oder Monate ausscheiden. Besonders Kleinkinder können das Virus über Jahre hinweg in hoher Konzentration über Urin und Speichel ausscheiden, auch wenn sie selbst keine Symptome haben.

Ja. Eine CMV-Infektion ist kein Grund für einen Kaiserschnitt. Das Virus wird primär während der Schwangerschaft über die Plazenta übertragen. Eine natürliche Geburt ist in der Regel sicher möglich.

Aktuell und auch in absehbarer Zeit gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff.

Weitere Informationen speziell für medizinisches Fachpersonal findet man in der Leitlinie „Prävention, Diagnostik und Therapie der CMV-Infektion bei Schwangeren und der konnatalen CMV-Infektion bei Neugeborenen und Kindern“ von der Gesellschaft für Virologie. Die Plattform „Stark gegen CMV“ bieten neben sachlich fundierten Informationen zu CMV zudem aufbereitete Flyer und Downloads an sowie Hilfe für betroffene Familien. Zudem setzt sich „Stark gegen CMV" aktiv für die Prävention, den Austausch und eine höhere Aufmerksamkeit rund um CMV-Infektionen in der Schwangerschaft ein.

Nähere Informationen zur Verträglichkeit und Sicherheit von Valaciclovir in der Schwangerschaft findest du z. B. auch auf Embryotox (https://www.embryotox.de), dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum der Berliner Charité.

Information

Anmerkung der Redaktion

Einzelne Unterthemen des Beitrags entstanden mit freundlicher Unterstützung von Prof. Dr. med. Karl Oliver Kagan (Leitung Pränatale Medizin, Universitätsklinikum Tübingen, Mitautor der Leitlinie zu CMV in der Schwangerschaft). Die Inhalte dieses Beitrags wurden fachlich geprüft von Dr. med. Anke Hurst, Fachärztin für Innere Medizin, beratende Ärztin der Pronova BKK.

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Autor: Onlineredaktion Pronova BKK Zuletzt aktualisiert: 02.06.2026