Vorgehen bei einer frischen CMV-Infektion
Wichtig zu wissen: Ein positiver CMV-Befund bedeutet nicht automatisch, dass das Kind mit Gesundheitsschäden auf die Welt kommen wird. Eine genauere Untersuchung und eine engmaschige Überwachung zusätzlich zur regulären Schwangerschaftsvorsorge sind nun wichtig, um die bestmögliche Betreuung der Schwangeren und des ungeborenen Kindes sicherzustellen.
Frauenärzt*innen sollten betroffene Schwangere von einer spezialisierten Praxis für Pränataldiagnostik (DEGUM II/III) mitbetreuen lassen. Dort werden alle 2 bis 4 Wochen detaillierte Feinultraschall-Untersuchungen durchgeführt, um die Fruchtwassermenge, das Wachstum des Babys und seiner Organe und die Durchblutung der Plazenta zu untersuchen.
Es wurden und werden verschiedene Möglichkeiten untersucht, das Risiko einer Infektion des ungeborenen Kindes durch eine medikamentöse Behandlung zu senken. Für den Wirkstoff Valaciclovir existieren Daten zur Wirksamkeit. Für andere Behandlungsansätze ist die Datenlage allerdings noch unzureichend oder stark eingeschränkt.
Prophylaxe mit dem antiviralen Wirkstoff Valaciclovir
Wenn eine frische CMV-Infektion nachgewiesen wurde, kann die Schwangere zusammen mit ihrer Frauenärztin bzw. ihrem Frauenarzt entscheiden, ob eine vorsorgliche Behandlung mit dem antiviralen Wirkstoff Valaciclovir in ihrem Fall infrage kommt. Valaciclovir ist ein bekannter Wirkstoff, der auch bei anderen Herpesinfektionen eingesetzt wird. In der Schwangerschaft wird er aber „off label“ eingesetzt, das heißt, es gibt keine offizielle Zulassung für diese Situation.
Ziel der Prophylaxe ist es, die Wahrscheinlichkeit einer kindlichen Infektion zu verringern. „Durch die Gabe von Valaciclovir kann das Risiko einer kindlichen Infektion im Mutterleib auf etwa 10 % reduziert werden“, erklärt Prof. Kagan, Mitautor der Leitlinie zu CMV.
Damit die Prophylaxe bestmöglich wirken kann, sollte sie idealerweise bis zur Schwangerschaftswoche 14 (13+6) begonnen werden. „Entscheidend ist, ob und wann sich das ungeborene Kind im Mutterleib ansteckt.“, so Prof. Kagan, „mit Valaciclovir sollte die Wahrscheinlichkeit einer kindlichen Infektion reduziert werden. Um Verzögerungen bei der Diagnosestellung miteinzurechnen, kann eine Therapie bis 16+ Schwangerschaftswochen begonnen werden. Bei einer Infektion in späteren Schwangerschaftsmonaten ist das Risiko deutlich geringer, so dass eine Therapie nicht empfohlen wird.“ In jedem Fall sollte das Neugeborene kurz nach der Geburt gezielt auf Zytomegalie untersucht werden.
Die Studienlage ist noch nicht sehr umfangreich, aber bisher durchgeführte Studien zu 527 Schwangerschaften konnten zeigen, dass das Risiko einer Ansteckung des ungeborenen Kindes um 2/3 gesenkt werden konnte. Das heißt: Von 3 Infektionen, die ohne Behandlung auftreten würden, können 2 durch die Behandlung mit Valaciclovir verhindert werden.
Auch Daten aus der Anwendung z. B. aus Großbritannien und Frankreich stützen diese Ergebnisse. Seit 2025 gibt es eine neue Leitlinie, in der das mögliche Vorgehen genau beschrieben wird.