Bluthochdruck in der Schwanger­schaft

In der Schwangerschaft arbeitet der Körper der werdenden Mutter auf Hochtouren: Das Blutvolumen nimmt zu, das Herz schlägt kräftiger und der Kreislauf versorgt nun 2 Menschen. Diese Veränderungen sind natürlich, können aber Auswirkungen auf den Blutdruck haben.

In der Schwangerschaft arbeitet der Körper der werdenden Mutter auf Hochtouren: Das Blutvolumen nimmt zu, das Herz schlägt kräftiger und der Kreislauf versorgt nun 2 Menschen. Diese Veränderungen sind natürlich, können aber Auswirkungen auf den Blutdruck haben.

Was ist Bluthoch­druck in der Schwanger­schaft?

Von Bluthochdruck oder Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck wiederholt über 140/90 mmHg liegt.

In der Schwangerschaft gibt es 3 verschiedene Formen erhöhten Blutdrucks:

  • Schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck: Tritt meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und normalisiert sich nach der Geburt wieder.

  • Chronischer Bluthochdruck: Bestand schon vor der Schwangerschaft oder wird vor der 20. Schwangerschaftswoche festgestellt.

  • Präeklampsie: Eine besondere Form, bei der zusätzliches Eiweiß im Urin auftritt – sie kann schwerwiegender verlaufen und erfordert besondere Aufmerksamkeit.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist keine Seltenheit und betrifft laut der Deutschen Hochdruckliga nahezu jede 10. Frau. Regelmäßige Blutdruckmessungen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen sind die beste Möglichkeit, Veränderungen deines Blutdrucks frühzeitig zu erkennen.

Warum entsteht Bluthochdruck in der Schwanger­schaft?

Während der Schwangerschaft verändert sich dein gesamter Kreislauf: Das Blutvolumen steigt um bis zu 40 %, dein Herz schlägt schneller, um mehr Blut pro Minute durch deinen Körper zu pumpen, und deine Blutgefäße werden durch hormonelle Einflüsse elastischer.

Diese Anpassungen erreichen um die 20. Schwangerschafts­woche ihren Höhepunkt und sind wichtig, um das Baby optimal zu versorgen. Besonders in dieser Phase kann dadurch aber der mütterliche Blutdruck ansteigen – vor allem, wenn zusätzliche Risikofaktoren hinzukommen, die das Herz-Kreislauf-System belasten.

Die Entwicklung der Plazenta spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Weiten sich die Gefäße dort nicht ausreichend, fließt das Blut langsamer. Der Körper versucht, diesen geringeren Durchfluss auszugleichen – unter anderem, indem er deinen Blutdruck anhebt, damit das Baby trotzdem gut versorgt wird. Dieser natürliche Kompensationsmechanismus kann jedoch zu erhöhten Blutdruckwerten der Mutter beitragen.

Übrigens: In der 1. Hälfte der Schwangerschaft sinkt der Blutdruck häufig leicht, weil sich die Gefäße erweitern und der Widerstand in den Arterien abnimmt. Viele Frauen haben daher zu Beginn sogar niedrigere Blutdruckwerte. Das ist völlig normal und kein Widerspruch – dein Körper durchläuft verschiedene Anpassungsphasen, bis sich Kreislauf und Blutdruck stabilisieren.

Risikofaktoren für Bluthochdruck

Bluthochdruck kann prinzipiell jede Schwangere betreffen, doch bestimmte Umstände oder Vorerkrankungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit.

Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • 1. Schwangerschaft oder Mehrlingsschwangerschaft
  • Übergewicht oder Adipositas
  • Diabetes mellitus oder Schwangerschaftsdiabetes
  • Familiäre Vorbelastung mit Bluthochdruck oder Präeklampsie
  • Alter über 35 Jahre
  • Nieren- oder Autoimmunerkrankungen

Aber keine Sorge: Auch mit Risikofaktoren kannst du durch gesunde Gewohnheiten und regelmäßige Kontrollen viel zur Stabilität deines Blutdrucks beitragen.

Information

Gut zu wissen

Viele Frauen erleben trotz Bluthochdruck eine unbeschwerte Schwangerschaft. In den meisten Fällen sinkt der Blutdruck nach der Geburt wieder auf normale Werte. Regelmäßige Nachkontrollen bleiben dennoch wichtig, da Frauen mit Schwangerschafts­hypertonie später ein etwas erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Symptome einer Schwanger­schafts­hypertonie

Bluthochdruck verläuft bei vielen betroffenen Frauen anfangs oft unbemerkt. Deshalb ist die Blutdruckmessung fester Bestandteil jeder Vorsorgeuntersuchung – sie schützt dich und dein ungeborenes Kind.

Mögliche Anzeichen können sein:

  • Kopfschmerzen, besonders im Stirn- oder Nackenbereich
  • Schwindel oder Sehstörungen (z. B. Flimmern oder Lichtblitze)
  • Druckgefühl im Kopf
  • Schwellungen an Händen, Füßen oder im Gesicht
  • Übelkeit oder allgemeines Unwohlsein

Diese Symptome treten meist ab der 2. Schwangerschaftshälfte auf, wenn der Blutdruck dauerhaft erhöht ist oder sich eine Präeklampsie entwickelt.

Wenn du solche Beschwerden bemerkst, wende dich bitte an deine Gynäkologin, deinen Gynäkologen oder deine Hebamme. Ein kurzer Blutdruckcheck bringt schnell Klarheit.

Mögliche Folgen von Bluthoch­druck in der Schwanger­schaft

Bluthochdruck kann sich – je nach Ausprägung – auf den Verlauf der Schwangerschaft, die Entwicklung des Babys und in manchen Fällen auch auf die Geburt oder die Zeit kurz danach auswirken. Häufig beginnt alles damit, dass die Durchblutung der Plazenta beeinträchtigt ist. Dadurch kann das Baby weniger Nährstoffe und Sauerstoff erhalten.

Mögliche Folgen während der Schwangerschaft sind:

  • Wachstumsverzögerung des Babys
  • Frühgeburt oder Kaiserschnitt
  • Entwicklung einer Präeklampsie oder – in schweren Fällen – Eklampsie

Mit rechtzeitiger Diagnose und Behandlung lassen sich die meisten Risiken deutlich reduzieren. Die gute Nachricht: Die allermeisten Schwangeren mit erhöhtem Blutdruck bringen gesunde Kinder zur Welt.

Risiko: Präeklampsie und Eklampsie

Bei 2-5 % der schwangeren Frauen entwickelt sich aus einem anhaltend Bluthochdruck eine sogenannte Präeklampsie (laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V.).

Sie tritt meist nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und ist durch erhöhte Blutdruckwerte in Kombination mit Eiweiß im Urin gekennzeichnet. Typische Anzeichen können Kopfschmerzen, Sehstörungen, Atembeschwerden, Schwellungen und Wassereinlagerungen, Übelkeit oder Oberbauchschmerzen sein.

Wird eine Präeklampsie früh erkannt, lässt sie sich gut behandeln. Jeder Schwangeren wird daher im 1. Trimester ein Präeklampsie-Screening angeboten. Ergibt sich daraus ein erhöhtes Risiko, kann eine medikamentöse Prophylaxe eingeleitet und der Blutdruck engmaschiger überwacht werden.

In besonderen Fällen kann eine Präeklampie in eine Eklampsie übergehen, bei der zusätzlich Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Das ist ein medizinischer Notfall, der heute dank regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen mit Blutdruckmessung sehr selten geworden ist und nur bei etwa 1 von 1.000 Geburten auftritt.

Auswirkungen auf Geburt und Wochenbett

Ein hoher Blutdruck kann auch Einfluss auf den Verlauf der Geburt haben, insbesondere wenn die Werte über längere Zeit erhöht bleiben. Ärztinnen und Ärzte entscheiden dann gemeinsam mit dir, ob es sinnvoll ist, die Geburt etwas früher einzuleiten.

Während der Geburt wird dein Baby häufiger per CTG überwacht – viele Frauen empfinden das als zusätzliche Sicherheit. Ein Kaiserschnitt kann notwendig werden, ist aber nicht automatisch die Regel.

Nach der Entbindung normalisiert sich der Blutdruck bei den meisten Frauen innerhalb einiger Tage bis weniger Wochen. Wenn er vorübergehend erhöht bleibt, wird er wie außerhalb der Schwangerschaft auch mit gut verträglichen Medikamenten behandelt.

Für dein Baby ändert sich durch den mütterlichen Bluthochdruck in der Regel wenig: Es erhält die üblichen U-Untersuchungen und wird bei unauffälliger Entwicklung ganz normal versorgt. Nur wenn es im Mutterleib langsamer gewachsen ist oder etwas früher zur Welt kam, kann eine engere Nachbeobachtung sinnvoll sein. Insgesamt sind Mutter und Kind dank moderner Vorsorge und umfassender medizinischer Betreuung heute sehr gut geschützt.

Wie wird eine Schwanger­schafts­hypertonie festge­stellt?

Der Blutdruck wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung kontrolliert. Eine Schwangerschaftshypertonie liegt vor, wenn bei wiederholten Messungen der systolische Wert ≥ 140 mmHg und/oder der diastolische Wert ≥ 90 mmHg beträgt.

Um den Schweregrad besser einordnen zu können, erfolgt eine Einteilung nach Blutdruckwerten:

  • Leichte Hypertonie: systolisch 140–159 mmHg oder diastolisch 90–109 mmHg
  • Schwere Hypertonie: systolisch ≥ 160 mmHg oder diastolisch ≥ 110 mmHg

Diese Unterscheidung hilft Ärztinnen und Ärzten, das Risiko für Komplikationen besser einzuschätzen und die passende Therapie festzulegen.

Bei auffälligen Werten folgen weitere Untersuchungen zur Abklärung von Begleit- oder Folgeerkrankungen:

  • Urinuntersuchung auf Eiweiß (Hinweis auf Präeklampsie)
  • Bluttests zur Kontrolle von Leber- und Nierenwerten
  • Ultraschall, um das Wachstum und die Versorgung des Babys zu beurteilen

So kann frühzeitig entschieden werden, welche Behandlung notwendig ist und wie eng die Schwangerschaft überwacht werden sollte.

Wie wird Bluthoch­druck in der Schwanger­schaft behandelt?

Die Behandlung hängt von der Ausprägung und dem Verlauf ab. Ziel ist es, Komplikationen zu verhindern und sowohl Mutter als auch Kind zu schützen.

Die Zielwerte für den Blutdruck liegen bei ≤ 135/90 mmHg. Dabei wird sorgfältig darauf geachtet, dass die Durchblutung des Babys nicht beeinträchtigt wird. Das prüfen Ärzt*innen bei Bedarf mit einem speziellen Ultraschall, dem sogenannten Doppler-Ultraschall, der den Blutfluss in der Nabelschnur und anderen Gefäßen misst. Zusätzlich wird regelmäßig das Wachstum des Babys kontrolliert – so lässt sich zuverlässig erkennen, ob es gut versorgt ist.

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark dein Blutdruck erhöht ist und ob weitere Risikofaktoren bestehen. Deine Ärztin oder dein Arzt kann dir unter anderem folgende Maßnahmen empfehlen:

  • Regelmäßige Blutdruckkontrollen, gegebenenfalls auch zu Hause
  • Medikamentöse Therapie mit blutdrucksenkenden Mitteln
  • Schonung oder stationäre Überwachung, wenn die Werte sehr schwanken oder eine Präeklampsie droht

Wichtig: Alle eingesetzten Medikamente sind für das Baby gut untersucht und gelten als sicher. Die Dosierung wird individuell angepasst, um den bestmöglichen Schutz für Mutter und Kind zu gewährleisten.

Was du selbst für deine Herzgesundheit tun kannst

  • Miss deinen Blutdruck regelmäßig, besonders bei Risikofaktoren.
  • Achte auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.
  • Vermeide stark gesalzene, verarbeitete Lebensmittel.
  • Plane regelmäßige, leichte Bewegung – etwa Spaziergänge oder Schwangerschaftsyoga (nach ärztlicher Rücksprache).
  • Gönn dir ausreichend Schlaf und Pausen im Alltag.
  • Sprich offen über Sorgen und Stress – psychische Entlastung wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus.

Vermeide Selbstmedikation – auch pflanzliche Präparate können Risiken bergen. Sprich immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin, bevor du etwas einnimmst.

Kind

Immer an deiner Seite

Eine Schwangerschaft bringt viele Fragen mit sich – und manchmal auch Unsicherheiten. Gerade wenn Symptome auftreten, ist schnelle und verlässliche Beratung wichtig. Die Hebammen-Sprechstunde in der Keleya-App steht dir jederzeit zur Verfügung. Wir übernehmen die Kosten für dich!