Der Schulalltag – nicht immer einfach

Klassische Geschlechterrollen im Unterricht, Rückzug von Freunden bis hin zu Mobbing. Viele homosexuelle oder Trans-Jugendliche erleben genau das in der Schule. Dabei sollte die Schule ein Ort sein, wo Toleranz gelehrt und gelebt wird. Das gilt auch für die Ausbildung und das Studium.

Auf einen Blick

  • Oft wird noch das "alte" Rollenmuster vermittelt
  • Diskriminierung auf dem Pausenhof
  • Toleranz oder Ausgrenzung?
  • Alltagsproblem: Klassenfahrt
  • Gehe deinen eigenen Weg

In Schulen wird oft noch das klassische Rollenmuster vermittelt

In der Deutschlektüre „Leonie ist verknallt“ verliebt sich das Mädchen in den Jungen Florian. Auch die Beispiele im Englischbuch orientieren sich an den gängigen Geschlechterrollen. Im Sexualkundeunterricht werden die klassischen Familienbilder aus Mann, Frau und Kind transportiert. Noch immer sind Schulen Orte, die vorwiegend eine heterosexuelle Lebensweise und überkommene Rollenmuster unterstützen. Aktuelle Bestrebungen nach mehr Toleranz und Offenheit ändern daran nur punktuell etwas. Für homosexuelle oder Trans-Jugendliche ist der tägliche Gang zur Schule deshalb nicht selten ein Spießrutenlauf. Statt sich als Teil der Gemeinschaft zu fühlen, hören sie in der Klasse, dass die Englischaufgaben schwul wären und auf dem Schulhof beim Kicken fällt schon mal ein spontanes „Du schwule Sau“.

Diskriminierung auf dem Pausenhof

Da zu sich selbst zu stehen, ist nicht einfach. Viele homosexuelle oder Trans-Jugendliche fühlen sich diskriminiert oder kämpfen mit Zukunftsängsten. Wie werden sich die Klassenkameraden verhalten, wenn sie es erfahren? Was werden die Lehrer und Lehrerinnen sagen? Vom inneren Coming-out bis zum äußeren Coming-out vergehen deshalb oft mehrere Jahre. Nicht selten ist der richtige Zeitpunkt dafür erst gekommen, wenn der Schulabschluss geschafft ist. Im Alltag führt das häufig dazu, dass das Experimentieren mit Liebe, Sexualität und Partnerschaft deutlich später beginnt als bei heterosexuellen Teenagern. Noch dazu bleiben durch die geringere Möglichkeit, Liebesbeziehungen einzugehen und öffentlich zu leben, sexuelle Erfahrungen lange unvollständig.

Toleranz oder Ausgrenzung?

Welche Reaktionen ein Coming-out während der Schulzeit auslöst, kann niemand vorhersagen. Es kann immer zur Folge haben, dass du Freunde verlierst. Einige Teenager berichten, es habe sich nichts geändert, andere bereuen, es erzählt zu haben. Von Ausgrenzung bis hin zu einer großen Toleranz ist alles möglich. Je offener deine Schule mit dem Thema queer umgeht, desto weniger musst du mit Vorurteilen rechnen.

Alltagsproblem: Klassenfahrt

Robin hat sein Coming-out bereits hinter sich. Er sagt selbst, dass sich das Verhalten seiner Klassenkameraden seitdem geändert habe. „Mit einigen Jungs bin ich nun nicht mehr befreundet.“ Am besten versteht er sich inzwischen mit einigen Mädchen aus seiner Klasse. Doch noch wird an seiner Schule ganz klassisch nach männlich und weiblich getrennt – und bei der Abschlussfahrt in Klasse 10 wird er sich das Herbergszimmer mit einigen Jungs teilen müssen. Dabei wäre er viel lieber mit den drei Mädchen zusammen gewesen, mit denen er in der Schule die Pausen verbringt. Aktives Mobbing hat Robin bisher nicht erlebt, doch die unterschwellige Ausgrenzung setzt ihm zu.

Als Azubi oder Studierender – du kannst deinen Weg gehen

Mit dem Start in eine Berufsausbildung oder dem Studium wird es häufig einfacher. So gibt es beispielsweise an den meisten Unis und Fachhochschulen Anlaufstellen, an die du dich wenden kannst, wenn du dich diskriminiert fühlst. Auch lassen sich darüber meistens Kontakte zu Gleichgesinnten knüpfen.

Falls es im Ausbildungsbetrieb oder in der Berufsschule Probleme gibt, kannst du dich z. B. an Lehrende und Ausbildende wenden. Im Betrieb gibt es je nach Größe einen Betriebsrat – jemanden, der für die Ausbildung der Azubis verantwortlich ist – oder in kleinen Unternehmen den Chef bzw. die Chefin. Habe keine Hemmungen, dir Unterstützung zu holen, wenn du ausgegrenzt oder gemobbt wirst!

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