Pubertät – die Zeit des Umbruchs und der großen Fragen

Ob in Kinderbüchern, Schulmaterialien oder in den Medien: Die Gesellschaft ist überwiegend von heterosexuellen Normen geprägt. Das macht es für junge LGBTQ-Menschen umso schwerer, zu sich selbst zu finden.

Auf einen Blick

  • Pubertät - Zeit der Selbstfindung
  • Wer bin ich?
  • Leben mit einem Tabu
  • Unterstützung holen

LGBTQ - Sich selbst finden in der Pubertät

Die Prinzessin bekommt stets den Prinzen. Doch was ist, wenn die Prinzessin mit ihm nichts anfangen kann oder sich der Prinz in einen anderen Prinzen verliebt? Ob in Kinderbüchern, Schulmaterialien oder in den Medien: Die Gesellschaft ist überwiegend von heterosexuellen Normen geprägt. Das macht es für junge LGBTQ-Menschen umso schwieriger, zu sich selbst zu finden. Besonders heikel ist die Phase der Pubertät, wenn die Welt sowieso schon Kopf steht.

Marie (14 Jahre) sieht aus wie ein Junge. Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler grenzen das Mädchen aus. In den Pausen steht Marie alleine da. Ihre Schulnoten sinken.

Leon (15 Jahre) kommt manchmal in Schuhen mit hohen Absätzen in die Schule. Er fühlt sich darin wohl, seine Mitschüler wissen nicht, wie sie reagieren sollen, sind verlegen oder lachen ihn aus.

Luis (16 Jahre) möchte eine Transition. Er (sie) fühlt sich schon länger als Mädchen und wünscht sich, dass sein (ihr) Name in Luisa abgeändert wird. In der Schule hat er (sie) bisher niemandem etwas von seiner (ihrer) Sehnsucht erzählt.

Die Pubertät ist eine Zeit des Wandels. Manchmal benehmen sich Teenager so, als hänge ein Baustellenschild „Wegen Umbau geschlossen“ vor der Stirn. Der Körper verändert sich, die Gefühle fahren Achterbahn. Vielleicht kennst du das von dir selbst, deinen Geschwistern oder du bist bereits selbst Mutter oder Vater eines Teenies. So schwierig diese Zeit auch erscheint: Sie geht vorbei – und sie ist normal. Junge LGBTQ-Menschen nehmen die Phase der Pubertät noch einmal ganz anders wahr. In der häufig heterosexuellen Umgebung ist es für sie doppelt schwer, ihre eigene Identität zu finden.

Wer bin ich?

Für Teenager ist es meist nicht einfach, ihre Gefühle zu akzeptieren – vor allem, wenn sie nicht der Norm entsprechen. Viele leiden regelrecht darunter. Hendrik merkte mit 13 Jahren, dass er „anders“ war. Während seine Freunde anfingen, für Mädchen zu schwärmen, blieb sein Blick in der Umkleide oft an den Jungs hängen. Er konnte sich mit Schwulen, von denen er las oder hörte, eher identifizieren als mit seinen Freunden. Das verwirrte ihn, denn das gängige Gesellschaftsklischee, mit dem er aufgewachsen ist, sieht eben anders aus. Da verliebt sich der Junge in das Mädchen. Hendrik versuchte es deshalb mit einer Freundin, aber nach einigen Anläufen merkte er, dass das für ihn nicht passte. Erst mit 15 Jahren realisierte er, dass er schwul ist, fühlte sich aber gleichzeitig „nicht richtig“.

Und was wird aus mir?

Die Eltern reagierten gelassen auf Hendriks Coming-out. „Ich habe das schon geahnt“, sagte die Mutter. Für die jüngere Schwester war es allerdings problematisch. Sie wurde wütend und sorgte sich um ihren Ruf an der Schule. Würde sie fortan die Schwester „des Schwulen“ sein oder sogar Beschimpfungen erdulden müssen? Da das Lehrpersonal sensibel reagierte, trat zum Glück nichts von dem ein. Heute, fünf Jahre später, bereut sie den Wutausbruch von damals.

Leben mit einem Tabu

Viele Trans-Jugendliche ziehen sich in dieser Phase zurück – und zwar gleichermaßen von Schulkameraden, dem Freundeskreis und Eltern. Bei niemandem können sie sich sicher sein, wie die Reaktion auf das Coming-out ausfällt. Häufig orientieren sich die Teenager auch neu und suchen den Kontakt zu anderen jungen LGBTQ-Menschen. Für Eltern ist nicht immer erkennbar, was ihr Kind bewegt. Denn während der Pubertät ist es sowieso normal, dass sich die Jugendlichen abnabeln und anfangen, ihr eigenes Leben zu führen.

Unterstützung holen

Einige Trans-Jugendliche erleben die Pubertät als sehr große Not. Ihr Körper verändert sich in eine für sie falsche Richtung, Brüste oder Bart werden sichtbar. Sich durch Kleidung und Körpersprache im gefühlten Geschlecht zu zeigen, wird immer schwieriger. Falls du diese Veränderungen in hilfloser Ohnmacht an dir beobachtest oder es als Elternteil bei deinem Kind bemerkst, solltest du dir Hilfe bei deiner Hausarztpraxis holen.

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