RS-Virus

Das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial Virus) ist weltweit verbreitet und gehört zu den häufigsten Auslösern von Atemwegserkrankungen.

Auf einen Blick

  • Wie gefährlich ist das RS-Virus für Kinder?
  • Was ist das RS-Virus?
  • Ansteckung, Krankheitsverlauf und Therapie
  • Neugeborene und Kinder mit Risikofaktoren schützen
  • Der natürliche Immunschutz muss sich entwickeln können
  • FAQs zu RS-Viren

Wie gefährlich ist das RS-Virus für Kinder?

Schnupfen, Husten, Fieber: Babys und Kleinkinder bekommen besonders in der kalten Jahreszeit immer wieder Atemwegsinfekte. Zum Glück sind diese meist harmlos und klingen nach wenigen Tagen wieder ab. Doch beobachte den Krankheitsverlauf aufmerksam: Leidet dein Kind zusätzlich unter Atembeschwerden mit pfeifenden Atemgeräuschen, wird der Atem unregelmäßig oder stockend? Gibt es Probleme beim Trinken oder Essen? Werden die Hustenanfälle deutlich stärker? Eine solche Symptomatik kann ein Hinweis auf eine Infektion mit dem hoch ansteckenden RS-Virus sein.

In den ersten Lebensmonaten kann ein Infekt mit dem Virus für jedes Kind riskant sein. Mit bestimmten Risikofaktoren wie beispielsweise angeborenen Herzfehlern oder einer Immunschwäche erhöht sich die Gefahr. Auch Frühchen sind deutlich gefährdeter als Kinder, die zum Termin geboren wurden. Trifft etwas davon auf dein Kind zu oder fallen dir starke Symptome auf, vereinbare bitte umgehend einen Termin in der Kinderarztpraxis zur Abklärung.

Bei älteren Kindern verläuft ein RSV-Infekt dagegen kaum anders als eine normale Erkältung. Hier ist ein Besuch in der Kinderarztpraxis nur bei den oben geschilderten starken Symptomen erforderlich oder wenn der schlechte Allgemeinzustand deines Kindes dich beunruhigt.

Was ist das RS-Virus?

Das RS-Virus (Respiratorisches Synzytial Virus) ist weltweit verbreitet und gehört zu den häufigsten Auslösern von Atemwegserkrankungen. Laut RKI infizieren sich 50 bis 70 Prozent aller Kinder im ersten Lebensjahr, bis zum zweiten Geburtstag haben dann fast alle Kinder einen Primärinfekt mit dem RS-Virus hinter sich. Eine Infektion mit dem RS-Virus sorgt bei Kindern übrigens nicht für Immunität. Ein erneuter Kontakt mit dem Virus kann einen neuen Infekt auslösen, in der Regel dann allerdings mit einem deutlich milderen Verlauf.

Ansteckung, Krankheitsverlauf und Therapie

Eine Tröpfcheninfektion markiert meist den Beginn einer Erkrankung. Eine Ansteckung kann aber auch über verunreinigte Oberflächen erfolgen oder über Hautkontakt, etwa, wenn infizierte Erwachsene – gleich ob mit oder ohne Symptome – das Kind in den Arm nehmen oder mit ihm kuscheln.

Im Frühstadium zeigen sich bei einer RSV-Infektion die typischen Erkältungssymptome wie einer laufenden Nase, Husten und Fieber. Doch das Virus kann auch die unteren Atemwege angreifen und schwere Krankheitsverläufe auslösen: Eine Lungenentzündung etwa oder eine Bronchiolitis, bei der sich die kleinen Gefäße der Bronchien entzünden. Erhebliche Atemprobleme (erkennbar zum Beispiel durch Keuchen oder pfeifende Atemgeräusche) bis hin zu akuter Atemnot können die Folge sein. Einige Kinder benötigen jetzt zusätzlichen Sauerstoff, der über eine Maske verabreicht werden kann. Manchmal ist auch ein stationärer Aufenthalt für wenige Tage nötig. Etwa Dreiviertel aller Kinder unter drei Jahren leiden im Zusammenhang mit einer RSV-Infektion zusätzlich an einer akuten Mittelohrentzündung. Auch Fieberkrämpfe sind möglich.

Das Virus selbst kann nicht ursächlich bekämpft werden, eine Impfung gibt es derzeit nicht. Doch die Symptome sind gut behandelbar: Schleimlösende Medikamente lindern Husten, Nasentropfen oder Inhalationen mit Kochsalzlösung halten die Schleimhäute feucht. Bei hohem Fieber helfen fiebersenkende Mittel. Viel trinken und ausreichend Ruhe fördern den Heilungsprozess bei deinem Kind.

Neugeborene und Kinder mit Risikofaktoren schützen

Schon während der ersten Lebenswochen kann dein Baby sich mit dem RS-Virus infizieren. Ein Nestschutz (Immunität von Neugeborenen gegen Infektionskrankheiten) besteht allenfalls während der ersten vier bis sechs Wochen. Doch in der Regel ist kein schwerer Verlauf zu erwarten.

Deutlich gefährdeter sind Frühgeborene. Sie verfügen kaum über eigene Abwehrkräfte. Zudem ist ihre Lungenentwicklung oft verzögert. Sie sind besonders schutzbedürftig wie auch Kinder mit einem angeborenen Herzfehler oder solche mit einer Immunschwäche. Säuglinge und Kinder mit diesen Risikofaktoren sollten möglichst vor einem Kontakt mit dem Virus geschützt werden: Meide deshalb Menschenansammlungen und verzichte in den Risikomonaten auf Krabbelgruppen und Babyschwimmen. Ganz wichtig: Wenn Besuch kommt, reiche dein Baby nicht von Arm zu Arm. Auch Erwachsene können Träger des RS-Virus und dabei mehr oder weniger symptomfrei sein, es also unbemerkt übertragen.

Der natürliche Immunschutz muss sich entwickeln können

Mit jedem Infekt, den dein Kind durchmacht, stärkt es seine körpereigene Abwehr. Das kindliche Immunsystem lernt nur durch Kontakte mit Erregern, mit ihnen umzugehen und sie zu bekämpfen. Deshalb sind Kontakte zu anderen Menschen grundsätzlich sehr wichtig.

In den Lockdowns während der Corona-Pandemie in Verbindung mit den strikten Hygienemaßnahmen hatten viele Kinder jedoch nur wenig Kontakt mit Krankheitserregern, konnten also ihr Immunsystem kaum trainieren. Der Kontakt mit dem hochansteckenden RS-Virus führt demzufolge vermehrt zu Infektionen. Auch werden mehr erkrankte Kinder stationär behandelt.

Zur Panik besteht jedoch kein Anlass: Zwar kann das RS-Virus vor allem für Risikokinder gefährlich sein, doch bei insgesamt gesunden Kindern ohne Vorerkrankungen verläuft die Infektion meist wie eine normale Erkältung. Bei einem späteren erneuten Kontakt wird es zwar wieder zu einer Infektion kommen, doch weil dein Kind dann gut gewappnet ist, ist ein milder Verlauf zu erwarten.

FAQs zu RS-Viren

Welche Symptome treten bei einer RSV-Infektion auf?

Schnupfen, Fieber, Husten, also die klassischen Symptome einer Erkältung, kennzeichnen das Frühstadium einer RSV-Infektion. Folgesymptome können sein: pfeifende, knisternde oder rasselnde Atemgeräusche, Atemnot, Atemaussetzer, keuchhustenähnliche Anfälle, Schwierigkeiten beim Essen oder Trinken, Erbrechen, Verschlechterung des Allgemeinzustands.

Wie kann ich unterscheiden, ob es sich um eine einfache Erkältung oder um eine RSV-Infektion handelt?

Als Laie kann man das nicht unterscheiden. Bei Verdacht auf eine RSV-Infektion – wenn also besonders starke Symptome vorliegen – suche mit deinem Kind umgehend eine Arztpraxis auf. Mithilfe eines Abstrichs aus dem Nasen-Rachen-Raum kann das Virus eindeutig nachgewiesen werden.

Was macht das RS-Virus so gefährlich für Säuglinge und Kleinkinder?

Im Zuge der Erkrankung kann es zu einer Lungenentzündung oder einer Bronchiolitis, einer Entzündung der kleinen Verästelungen in den Bronchien kommen. Bei einer damit einhergehenden Verengung der unteren Atemwege treten schwere Atembeschwerden auf, das erkrankte Kind erleidet eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Besonders gefährdet sind Frühchen und Kinder mit Herzfehlern oder einer Immunschwäche.

Wie wird das RS-Virus übertragen?

Eine Tröpfcheninfektion bei einem Kontakt mit einer infizierten Person ist der häufigste Übertragungsweg. Möglich ist aber auch eine Infektion über Hautkontakt oder verunreinigte Oberflächen wie Türklinken oder Spielzeug.

Wie lange dauert die Inkubationszeit bei einer RSV-Infektion?

Etwa zwei bis acht Tage dauert es vom Kontakt mit dem Virus bis zum Ausbruch der Krankheit.

Wie lange dauert die Ansteckungsfähigkeit?

Mit dem RS-Virus infizierte können das Virus schon einen Tag nach der Ansteckung weitergeben, also bevor sie selbst Symptome entwickeln. Die Ansteckungsfähigkeit kann sich über drei bis acht Tage erstrecken. Frühgeborene und Neugeborene könne das Virus allerdings über mehrere Wochen oder gar Monate ausscheiden.

Hilft ein Antibiotikum gegen eine RSV-Infektion?

Nein, denn Antibiotika bekämpfen durch Bakterien ausgelöste Infekte, nicht aber Virusinfekte. Es kann allerdings sein, dass deine Kinderärztin oder dein Kinderarzt deinem Kind dennoch ein Antibiotikum verordnet, um bakterielle Folgeinfektionen zu vermeiden: Weil der Körper durch die Virusinfektion bereits geschwächt ist, können auch bakterielle Erreger leichter eindringen und zusätzliche Probleme wie etwa eine Mittelohrentzündung verursachen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Da es derzeit bei der RSV-Infektion keine ursächliche Behandlung gibt, konzentriert man sich auf eine Linderung der Symptome. Nasentropfen und Inhalationen mit Kochsalzlösung helfen, die oberen Atemwege feucht zu halten. Schleimlöser lindern Husten. Wichtig sind außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und viel Ruhe. Bei schwereren Verläufen kann eine zusätzliche Sauerstoffgabe über eine Maske nötig sein.

Gibt es eine wirksame Prophylaxe gegen die Ansteckung mit dem RS-Virus?

Für Kinder mit einem erhöhten Risiko besteht die Möglichkeit einer sogenannten passiven Immunisierung durch ein entsprechendes Medikament (nicht zu verwechseln mit einer Impfung, die es derzeit gegen RS-Viren noch nicht gibt). Diese schützt zwar nicht vor einem RSV-Infekt, senkt aber das Risiko für eine stationäre Behandlung.

Ist mein Kind besonders gefährdet?

Jedes Kind kann sich mit dem hochansteckenden RS-Virus infizieren. Besonders gefährdet sind Säuglinge im ersten Lebensjahr, denn es besteht kein vollständiger Nestschutz. Das Risiko für einen schweren Verlauf ist erhöht bei Frühgeborenen, deren Lungenentwicklung verzögert sein kann, bei Babys mit angeborenen schweren Herzfehlern oder einer Immunschwäche.

Wie kann ich mein Kind am besten vor einer RSV-Infektion schützen?

Einen Impfstoff gegen das Virus gibt es noch nicht. Eltern können mit einer guten Hygiene mit gründlichem Händewaschen das Ansteckungsrisiko reduzieren. Meide Menschenansammlungen, halte die Wohnumgebung rauchfrei und reiche dein Baby auch bei Familienzusammenkünften nicht von Arm zu Arm, denn auch Personen, die selbst keine Symptome haben, können Überträger sein.

Ist mein Kind nach einer RSV-Infektion immun?

Nein, leider schafft eine einmalige RSV-Infektion keine dauerhafte Immunität. Weitere Ansteckungen sind jederzeit möglich und kommen auch häufig vor. In den meisten Fällen verlaufen nachfolgende Infektionen weniger schwer, können allerdings mit einem mehr als vier Wochen andauernden Husten verbunden sein.

Ist eine RSV-Infektion meldepflichtig?

Nein, nach dem Infektionsschutzgesetz ist die Infektion nicht meldepflichtig.

Warum gibt es derzeit so viele RSV-Infektionen?

RSV-Infektionen treten alljährlich auf, hauptsächlich zwischen November und April. Derzeit kommt es allerdings vermehrt zu schweren Atemwegsinfekten mit dem RS-Virus mit einem deutlichen Anstieg an stationären Behandlungen bei Kindern bis zum vierten Lebensjahr. Grund dafür sind die Lockdowns und verstärkten Hygienemaßnahmen während der Corona-Pandemie. Im Winter 20/2021 hatten Kinder (und Erwachsene) weniger Kontakt mit dem Erreger. Dadurch sank zum einen die Zahl der Krankheitsfälle. Zum anderen konnten Kinder ihr Immunsystem aber weniger trainieren und stecken sich nun, da die Kontaktbeschränkungen nach und nach entfallen, schneller mit dem Virus an.

Hat das RS-Virus etwas mit einer Covid19-Infektion zu tun?

Nein, es handelt sich zwar in beiden Fällen um eine Virusinfektion, doch sind es unterschiedliche Erreger.

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