Was sind Affenpocken?

Wie gefährlich sind sie und wie werden sie behandelt?

Auf einen Blick

  • Welche Gegenmaßnahmen werden ergriffen?
  • Das Besondere an den derzeitigen Infektionen
  • Symptome, Verlauf und Therapie
  • Impfung ja oder nein?
  • Affenpocken – häufige Fragen und Antworten

Viruserkrankung: Affenpocken

Weltweit mehren sich die Fälle und auch in Deutschland sind erste Infektionen mit dem Affenpocken-Virus bestätigt. Wegen der langen Inkubationszeit von bis zu drei Wochen ist mit steigenden Zahlen in der nächsten Zeit zu rechnen. Vorsicht ist angebracht. Es gibt noch viele offene Fragen, Grund zur Panik besteht jedoch nicht.

Zum einen ist das Virus weit weniger ansteckend als das Coronavirus, mit einer flächendeckenden Ausbreitung ist daher nicht zu rechnen. Zum anderen nimmt die Erkrankung in den allermeisten Fällen einen mild Verlauf und heilt ohne Komplikationen restlos aus.

Viele ältere Personen verfügen aufgrund ihrer Pockenimpfung zudem über einen gewissen Schutz vor einer Infektion mit dem Affenpocken-Virus, denn dieses ist mit den Erregern der Menschenpocken eng verwandt.

Affenpocken: Welche Gegenmaßnahmen werden ergriffen?

Das Bundesgesundheitsministerium erarbeitet in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut und im engen Austausch mit der WHO aktuell Empfehlungen und Maßnahmen zu Isolation und Quarantäne infizierter Personen. Auch wird erwogen, eventuell Impfstoffe für Risikogruppen zu beschaffen. Eine allgemeine Impfempfehlung wird es gemäß Bundesgesundheitsminister Lauterbach aber derzeit nicht geben.

Was ist das Besondere an den derzeitigen Infektionen mit Affenpocken?

Affenpocken sind seit langem bekannt und keine neuartige Viruserkrankung. Erstmals nachgewiesen wurde das Virus in einem dänischen Labor im Jahr 1958. In West- und Zentralafrika treten immer wieder Infektionen auf. In den meisten Fällen wird das Virus vom Tier auf den Menschen übertragen, etwa durch engen Kontakt mit Wildtieren oder dem Umgang mit dem Fleisch infizierter Tiere. Außerhalb Afrikas gab es auch früher vereinzelt Fälle von Affenpocken bei Reiserückkehrern beispielsweise aus Nigeria oder der Demokratischen Republik Kongo.

Die derzeit gemeldeten Fälle sind in doppelter Hinsicht ungewöhnlich: Zum einen gab es noch nie so viele Fälle außerhalb Afrikas in verschiedenen, entfernt voneinander liegenden Ländern und zum anderen noch nie so viele Fälle von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen. Auch ist noch ungeklärt, ob überhaupt alle Infizierten untereinander in Kontakt waren oder ob es sich nicht vielmehr um voneinander unabhängige Krankheitsfälle handelt.

Affenpocken: Symptome, Verlauf und Therapie

Eine Infektion mit Affenpocken beginnt wie viele andere Infektionskrankheiten mit Fieber, angeschwollenen Lymphknoten und Schmerzen in Kopf, Hals, Rücken, Muskeln oder Gelenken. Erst etwas zeitverzögert treten die auffälligen Hautausschläge auf, mit Pickeln, Pusteln und mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen, die sich über den gesamten Körper ausbreiten können. Bei den derzeit außerhalb Afrikas diagnostizierten Fällen handelt es sich ausschließlich um Infektionen mit der in der Regel sehr mild verlaufenden westafrikanischen Variante. Die Symptome können bei Bedarf mit klassischen Mitteln behandelt werden, nach einiger Zeit heilt die Krankheit von selbst ab. Auch wenn die Erkrankung gänzlich unbemerkt bleibt, sind Infizierte ansteckend.

Impfung - ja oder nein?

Einen speziellen Impfstoff gegen Affenpocken gibt es derzeit nicht. Viele ältere Menschen haben durch die Pockenimpfung aus ihrer Kinder- oder Jugendzeit jedoch noch einen gewissen Schutz auch vor Affenpocken. Auch wenn die Menschenpocken seit 1980 als ausgerottet gelten, sind in Deutschland nach Angaben des Ministeriums noch etwa 100 Millionen Impfdosen eingelagert. Noch ist aber gar nicht abschließend geklärt, ob eventuell neue Impfstoffe beschafft werden oder ob Impfempfehlungen für Risikogruppen oder Kontaktpersonen überhaupt ausgesprochen werden.

Unsere Empfehlung: Informiere dich regelmäßig über die tagesaktuellen Entwicklungen und Empfehlungen bezüglich der Affenpocken. Und beachte weiterhin die inzwischen ohnehin selbstverständlich gewordenen Hygienemaßnahmen, allen voran gründliches Händewaschen.

Affenpocken – häufige Fragen und Antworten

Welche Varianten der Affenpocken gibt es?

Affenpocken-Viren sind eng verwandt mit den seit 1980 weltweit als ausgerottet geltenden Menschenpocken. Keine Verwandtschaft besteht mit den Windpocken, deren Erreger zu den Herpesviren gehören. 1958 wurden die Viren erstmals bei Affen nachgewiesen. Als Hauptwirte gelten verschiedene Nagetiere, Ratten sowie Spitzmäuse. Man unterscheidet zwei jeweils nach ihrem Fundort benannte Typen von Erregern: die westafrikanische Variante mit im Allgemeinen milderen Verläufen und die zentralafrikanische Variante, die als deutlich virulenter gilt. Die erste Tier-zu-Mensch-Übertragung wurde 1970 in der Demokratischen Republik Kongo registriert.

Wie werden Affenpocken übertragen?

In erster Linie werden Affenpocken durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Tiere übertragen, also beim Umgang mit dem Fleisch der Tiere, dem Blut oder den Ausscheidungen sowie durch Bisse infizierter Tiere.

Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind ausgesprochen selten, bei sehr engem Kontakt aber möglich. Die in den Körperflüssigkeiten enthaltenen Viren können beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, genauso beim Küssen oder wenn bei einem engen Hautkontakt Pockenbläschen aufplatzen und das Sekret über kleine Hautverletzungen eindringen kann. Möglich ist außerdem eine Infektion über kontaminierte Handtücher oder Bettwäsche oder auch eine Tröpfcheninfektion über die Atemwege.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Vom ersten Kontakt mit den Viren bis zum Ausbruch der Erkrankung können sieben bis 21 Tage vergehen.

Welche Symptome gibt es und wie ist der Krankheitsverlauf?

Zu den typischen Symptomen gehören Fieber, Kopf-, Hals-, Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen, deutlich geschwollene Lymphknoten sowie allgemeine Müdigkeit. Erst einige Tage nach dem Auftreten des Fiebers zeigen sich die charakteristischen Hautveränderungen mit Pickeln, Knötchen, Pusteln und flüssigkeitsgefüllten Bläschen begleitet von Juckreiz oder lokalen Schmerzen. Die Hautausschläge beginnen oft im Gesicht oder Genitalbereich, können sich aber über den ganzen Körper ausbreiten und auch die Mundschleimhäute befallen.

In den allermeisten Fällen nimmt die Krankheit einen leichten Verlauf, die Symptome klingen von allein ab. Nach zwei bis drei Wochen heilen die Hautverletzungen, es bilden sich Krusten, die von selbst abfallen. Allenfalls bei großflächigen Hautverletzungen können Narben bleiben. Bei der westafrikanischen Variante liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa ein Prozent. Bei dem aggressiveren zentralafrikanischen Virustyp bei bis zu zehnProzent. Besonders gefährdet sind hier Kinder und Jugendliche unter 16 sowie Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Der Krankheitsverlauf kann allerdings auch so mild sein, dass die Infektion unbemerkt bleibt.

Wie werden Affenpocken behandelt?

Eine spezielle Therapie gegen Affenpocken gibt es derzeit nicht. Behandelt werden die Symptome bei Bedarf mit klassischen Medikamenten wie Fiebersenkern oder Schmerzmitteln. Wichtig ist es, im Krankheitsverlauf eine bakterielle Superinfektion zu verhindern. Auf keinen Fall sollte man die Bläschen oder Pusteln aufkratzen, denn so können Bakterien leicht in die verletzte Haut eindringen. Bei schweren Verläufen kann das für eine Infektion mit Pocken zugelassenen Präparat Tecovirimat ärztlich verordnet werden.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen sind ein wirksamer Schutz gegen eine Infektion mit dem Affenpocken-Virus. Besondere Vorsicht gilt beim Umgang mit Erkrankten, da für eine Ansteckung eine bloße Hautberührung ausreichen kann. Aufgrund der Ähnlichkeit der Affenpocken-Viren mit den Viren der echten Pocken bietet auch eine Pockenimpfung einen guten Schutz.

Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?

Eine spezielle Impfung gegen Affenpocken gibt es momentan nicht. Aufgrund der Verwandtschaft der Viren bietet allerdings eine Impfung gegen Menschenpocken einen guten Schutz vor einer Infektion oder sorgt für einen milderen Verlauf. In der Bundesrepublik Deutschland gab es eine Impfpflicht bis 1975, in der DDR bestand die Impfpflicht bis 1982.

Ist die Erkrankung meldepflichtig?

Gemäß Infektionsschutzgesetz müssen diagnostizierte Krankheitsfälle von Ärzten und Laboren gemeldet werden. Nur so lassen sich Kontakte effektiv verfolgen und eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern.

Droht eine neue Pandemie?

Zwar rechnet die WHO mit einer steigenden Zahl von Erkrankungen weltweit, dennoch erwartet derzeit niemand eine neue Pandemie. Affenpocken-Viren sind weniger leicht übertragbar als Influenza oder Sars-CoV-2. Auch sind viele ältere Personen vermutlich durch die Pockenimpfung immer noch bis zu einem gewissen Grad geschützt.

Du hast noch Fragen zum Thema?
Für eine weiterführende Beratung und deine Fragen kontaktiere uns jederzeit gerne. Für den direkten Kontakt rufe jetzt unser Gesundheitstelefon unter 0621 53391-1000 an, das an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar ist oder starte jetzt unseren Chat.

Mehr zum Thema