Abnehmen mit Spritzen oder Pillen: Das steckt dahinter

Schnell abnehmen per Medikament – klingt gut. Doch es gibt Nebenwirkungen. Und wenn du mit der Einnahme aufhörst, nimmst du rasch wieder zu. Zum Glück gibt es bewährte Methoden, die langfristig erfolgreich sind.

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Schnell abnehmen per Medikament – klingt gut. Doch es gibt Nebenwirkungen. Und wenn du mit der Einnahme aufhörst, nimmst du rasch wieder zu. Zum Glück gibt es bewährte Methoden, die langfristig erfolgreich sind.

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Abnehmspritzen

Abnehmspritzen werden in den sozialen Medien und von Promis als schneller Weg zur Traumfigur gehypt. Tatsächlich können die Fertigspritzen mit den Wirkstoffen Semaglutid oder Tirzepatid eine Gewichtsabnahme von bis zu 20 % unterstützen. Ärztinnen und Ärzte dürfen die Medikamente mit dem Markennamen Ozempic® oder Mounjaro® allerdings ausschließlich für die begleitende Behandlung von Typ-2-Diabetes im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen.

Für eine Gewichtsabnahme auf die leichte Art wünschen sich auch viele eigentlich Normalgewichtige diese Präparate. Doch in Deutschland sind sie verschreibungspflichtig. Und das aus gutem Grund, denn die enthaltenen Substanzen Semaglutid oder Tirzepatid können erhebliche Nebenwirkungen haben. Zwar kann man die Medikamente auch mithilfe eines Online-Rezepts erwerben, doch im Netz kursieren Produktfälschungen, von denen eine zusätzliche Gefährdung der Gesundheit ausgeht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt ausdrücklich davor.

Neben den begehrten Abnehmspritzen gibt es zahlreiche weitere Mittel, die schnellen Gewichtsverlust versprechen. Wir nehmen die wichtigsten unter ihnen für dich genauer unter die Lupe. Aber so viel vorweg: Sie bergen vielfältige Risiken. Medikamente können zwar bei Adipositas helfen – sie sind aber kein Wundermittel. Wer nur das Symptom, nicht die Ursache bekämpft, wird auf lange Sicht enttäuscht. Langfristig gelingt das Abnehmen nur mit einer Ernährungsumstellung und einem Plus an Bewegung. Unsere Tipps dazu findest du weiter unten.

Semaglutid- und Tirzepatid-Präparate: Wirkung und Anwendung

Die Substanzen Semaglutid und Tirzepatid aktivieren die Insulinproduktion, hemmen Appetit und Heißhunger und verlangsamen die Entleerung des Magens. Auf diese Weise helfen die Medikamente Ozempic®, Wegovy® und Mounjaro® als Spritzen und Rybelsus® als Tabletten, Gewicht zu verlieren. Studien zufolge lag der Gewichtsverlust nach einer Therapie über 68 Wochen bei bis zu 16 % (Semaglutid) bzw. 20 % (Tirzepatid).

Zugelassen sind die Medikamente Ozempic® und Rybelsus® ausschließlich für Patientinnen und Patienten mit einem unkontrollierten Typ-2-Diabetes. Das Arzneimittel Wegovy® ist seit Juli 2023 in Deutschland für Menschen mit Adipositas zur Gewichtsreduktion zugelassen. Mounjaro® mit dem Wirkstoff Tirzepatid ist dagegen für beide Anwendungsgebiete zugelassen.

Liegt eine entsprechende Indikation vor, können Ärztinnen und Ärzte das jeweilige Medikament verschreiben. Dabei ist zu beachten, dass Semaglutid und Tirzepatid in der Indikation „Gewichtsregulierung“ als Lifestyle-Arzneimittel gelten und daher keine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen erfolgen kann. Für eine sichere Anwendung sollten Betroffene ausführlich beraten und ärztlich begleitet werden. Das ist entscheidend, denn die beiden Substanzen haben einen erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel.

Es gibt mittlerweile deutliche Hinweise darauf, dass es nach dem Absetzen des jeweiligen Medikaments in vielen Fällen wieder zu einer deutlichen Gewichtszunahme kommt. Das würde bedeuten, dass die Abnehmspritzen lebenslang angewendet werden müssten.

Und was man auch noch beachten sollte: Für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion sorgen die Präparate nicht allein. Sie funktionieren nur in Kombination mit einer kalorienreduzierten Ernährung und regelmäßiger Bewegung.

Semaglutid und Tirzepatid: Risiken und Neben­wirkungen

Beide Medikamente haben diverse Nebenwirkungen, darunter sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung noch die harmlosesten. Bei beiden Wirkstoffen warnt die Europäische Arzneimittelbehörde darüber hinaus vor schweren Langzeitfolgen wie Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und Gallenblase.

Ein möglicherweise erhöhtes Risiko für eine Schädigung des Sehnervs mit bleibender Sehverschlechterung wurde im Zusammenhang mit Semaglutid berichtet. Und es gibt auch Hinweise, dass das Risiko für bestimmte Schilddrüsenkrebsarten erhöht wird.

Beim Tirzepatid sind weitere Nebenwirkungen Müdigkeit, Haarausfall, Schwindel und niedriger Blutdruck.

Forschungen zu weiteren potenziellen Langzeitwirkungen sind noch nicht abgeschlossen, denn beide Mittel sind erst seit relativ kurzer Zeit am Markt. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) beobachtet beide Wirkstoffe im Hinblick auf mögliche neuauftretende Nebenwirkungen.

Off-Label-Einsatz und Liefer­eng­pässe von Semaglutid

Von einem Off-Label-Einsatz oder Off-Label-Use spricht man, wenn ein Medikament außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete verwendet wird. Das ist etwa der Fall, wenn Ozempic® für die Gewichtsreduktion verordnet wird, ohne dass ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurde. Dann würde der Hersteller nicht für mögliche Schäden aufgrund von Nebenwirkungen haften.

Zwar sind Präparate mit dem Wirkstoff Semaglutid eigentlich nur auf ärztliche Verordnung hin erhältlich. Doch gibt es im Online-Handel Wege, diese Vorgabe zu umgehen.

Wer sich ohne gültige Verschreibung Abnehmspritzen organisiert, macht sich nicht nur strafbar, sondern trägt auch seinen Teil dazu bei, dass aufgrund von weltweiten Lieferengpässen Patientinnen und Patienten, die wegen einer Erkrankung auf diese Medikamente angewiesen sind, ihre Präparate nicht bekommen.

Fettblocker, Appetitzügler, Quellmittel und der Jo-Jo-Effekt

Neben den Abnehmspritzen sind auch viele andere vermeintliche schnelle Helfer auf dem Markt, wie Fettblocker oder verschiedene Nahrungsergänzungsmittel. Kurzfristig mögen sie Erfolge auf der Waage anzeigen. Mit Absetzen der Präparate kommt es allerdings oft zum Jo-Jo-Effekt mit einer umso stärkeren Gewichtszunahme. Außerdem können auch diese Mittel unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen.

Wenn du unsicher bist, sprich das Thema Abnehmen bei deinem nächsten Arztbesuch an. Im gemeinsamen Gespräch lässt sich klären, ob Medikamente als Abnehmhelfer eine sinnvolle Ergänzung sind. Denn langfristig helfen dir nur eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung und viel Bewegung, das Gewicht zu reduzieren und zu halten.

Freiverkäufliche Abnehmmittel im Überblick

Wichtig: Vor der Einnahme von Abnehmmitteln solltest du unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen. In hoch dosierter Form sind manche Fettblocker zudem rezeptpflichtig.

Mittel Versprechen Risiken und Nebenwirkungen
Fettblocker Hemmen die Fettaufnahme um bis zu 1/3 Können einen Mangel an fettlöslichen Vitaminen, Blähungen und Durchfall sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten (Antibabypille, Gerinnungshemmer) auslösen.
Appetitzügler / Appeti­themmer Dämpfen das Hungergefühl und entwässern leicht Jo-Jo-Effekt möglich, da kein Fett abgebaut wird. Zudem Herzrasen und Schlafstörungen.
Quellmittel Erzeugen ein Sättigungsgefühl durch Wasserbindung Verstopfung oder Darmverschluss möglich, daher: Viel trinken!
Nahrungs­ergänzungs­mittel („Fatburner“) Sollen die Fettverbrennung steigern, dafür gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Teils Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck, Schlafstörungen, Herzrasen und Leberschäden.
Wechselwirkungen mit Diabetes- und Asthma-Medikamenten sowie Blutgerinnungsmitteln möglich.
Produkte mit Algen können sehr viel Jod enthalten und die Schilddrüsenfunktion stören.
Pflanzliche Diuretika / Entwässerungs­mittel Entwässern und verringern so das Gewicht kurzfristig Fett bleibt, Risiko für Dehydratation und Herzrhythmusstörungen steigt. Wichtige Salze werden im Übermaß ausgeschieden.
Shakes als Mahlzeiten­ersatz Praktisch, einfach dosiert Enthalten oft viel Zucker und Aromen und sättigen nicht langfristig.

Der gesunde Weg zur Gewichts­redu­zierung

Wer abnehmen möchte, kommt um eine Ernährungsumstellung nicht herum. Entscheidend ist eine negative Kalorienbilanz, die sich in erster Linie über die Umstellung der Ernährung erreichen lässt.

Wichtig für deine Ernährung sind vor allem diese Punkte:

  • Iss abwechslungsreich mit hohem Gemüseanteil.
  • Koche möglichst oft selbst mit frischen Zutaten.
  • Plane Salat und Rohkost ein, da sie gut sättigen und wenig Kalorien haben.
  • Bevorzuge Vollkornprodukte, sie machen länger satt.
  • Verwende Fett sparsam und setze auf pflanzliche Öle.
  • Meide Fertigprodukte, sie enthalten viel Zucker und Fett.
  • Ersetze süße und salzige Snacks durch einen Apfel oder eine Handvoll Nüsse.
  • Trinke Wasser und ungesüßte Tees und verzichte auf Alkohol.
  • Iss achtsam und kaue gründlich, so bekommst du ein Gefühl dafür, wann du satt bist.

Begleitend kann Bewegung dabei helfen, das Gewicht nach der Abnahme zu halten, weil der Leistungsumsatz erhöht wird. Außerdem schützt sie beim Abnehmen vor dem Verlust von Muskelmasse. Ein Mix aus Ausdauer- und Krafttraining leistet dir gute Dienste. Denn durch den Aufbau von Muskelmasse kannst du auch deinen Grundumsatz erhöhen. Das ist möglich, weil Muskulatur auch in Ruhephasen Energie verbraucht.

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