Corona-Krise sorgt für deutliche Zunahme psychischer Probleme

Leverkusen, 16. Dezember 2020: In der Corona-Krise geraten immer mehr Menschen in seelische Nöte. Psychotherapeuten und Psychiater verzeichnen deutlich mehr Therapieanfragen als üblich. Vor allem Ängste, Überforderung, familiäre Probleme und Nervosität machen ihren Patienten zu schaffen. Auch die Diagnosen Angststörungen und Depressionen werden häufiger, stellen vier von fünf Therapeuten fest. Dies sind Ergebnisse der Studie „Psychische Gesundheit in der Krise“ der pronova BKK, für die bundesweit 154 Psychiater und Psychotherapeuten in Praxen und Kliniken befragt wurden.

82 Prozent der befragten Fachärzte diagnostizieren öfter Angststörungen als vor der Krise. 79 Prozent stellen vermehrt die Diagnose einer Depression, 74 Prozent vermerken Anpassungsstörungen, also stark ausgeprägte Reaktionen auf belastende Ereignisse. 72 Prozent sprechen von einer Zunahme somatoformer Störungen, also von Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Schmerzen ohne organische Ursache. Vor allem die Nachtruhe ist beeinträchtigt: Dass Patienten nicht schlafen können, ohne dass es dafür eine körperliche Ursache gibt, beobachten zwei Drittel der Psychiater und Therapeuten vermehrt seit Beginn der Corona-Krise. In vielen Fällen war eine medikamentöse Therapie angezeigt. Knapp ein Viertel der Befragten hat seit Beginn der Pandemie mehr Arzneimittel verschrieben.

Die gefühlte Bedrohung

„Die Pandemie stellt den Alltag auf den Kopf und raubt den Menschen das sichere Gefühl gewohnter Strukturen“, sagt Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK. „Überforderung entsteht zum Beispiel im Familienleben oder im Corona-bedingten Homeoffice. Neue Vorschriften und Umgangsformen wie Abstandsregeln, Masken oder Kontaktbeschränkungen wirken verunsichernd und tendenziell destabilisierend. Angst vor einer Infektion mit dem Virus, um Angehörige, um den Job, Existenzsorgen oder auch Ängste vor sozialer Isolation im Lockdown sind weit verbreitet und hinterlassen Spuren.“

Corona-Stress verstärkt psychische Leiden

Wer psychisch labil ist, ist nun umso anfälliger. Patienten, die schon vor der Krise unter Ängsten litten oder sich überfordert fühlten, setzt die Pandemie besonders zu. Ihre Beschwerden wurden schlimmer. Das stellen 92 Prozent der befragten Psychiaterinnen und Psychiater sowie Therapeutinnen und -therapeuten fest. Verstärkt werden aus Sicht von rund 80 Prozent der Experten zudem Symptome wie Unruhe und Nervosität, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Aber auch familiäre Probleme würden durch die Einschnitte in der Corona-Krise verschärft. „Wer ohnehin in Beziehungsproblemen oder Ehekrisen steckt, erlebt oft, dass sich die Konflikte mit zunehmendem Alltagsstress zuspitzen. Es ist zu befürchten, dass Streitigkeiten auch gewalttätig ausgetragen werden“, so Dr. Herold von der pronova BKK.

Wenn Corona mental krank macht

Auch bislang unbelastete Menschen geraten in der Corona-Pandemie in seelische Nöte: Fast alle befragten Mediziner berichten von neuen Patientinnen und Patienten, die erst seit der Corona-Krise in Behandlung sind. Terminanfragen haben vor allem bei niedergelassenen Psychiatern und Psychotherapeuten zugenommen. Überforderung im Corona-Alltag, Ängste und familiäre Probleme hatten den neuen Patienten so zugesetzt, dass sie sich in Behandlung begaben. Besonders groß war der Andrang der Studie zufolge im dritten Quartal 2020. „Erst nach dem Lockdown im Frühling suchten die Menschen verstärkt psychologische Unterstützung. Im Sommer sanken die Infektionszahlen und die akuten Corona-Sorgen wurden kleiner – Menschen, die psychisch stark gelitten hatten, kämpften aber mit anhaltenden Beschwerden. Das war der Moment für viele, professionelle Hilfe einzuholen“, sagt Dr. Herold von der pronova BKK.

Zur Studie

Die Befragung „Psychische Gesundheit in der Krise“ wurde im Oktober und November 2020 im Auftrag der pronova BKK im Rahmen einer Online-Befragung durchgeführt. Bundesweit nahmen 154 Psychiaterinnen und Psychiater sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten daran teil.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits über 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob per App, im Chat, über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon oder in den 60 Kundenservices vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden.

Weitere News

  • Leverkusen |

    56 Prozent der unter 30-Jährigen fühlen sich seit Beginn der Pandemie häufig einsam. Fast ebenso viele sind besorgt, ihren Freundeskreis durch eingeschränkte Kontakte zu verlieren. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Generation Corona“ der pronova BKK, für die 1.000 junge Erwachsene im Alter von 16 bis 29 Jahren befragt wurden.

    Weitere Details
  • Leverkusen |

    64 Prozent der unter 30-Jährigen finden ihr Leben derzeit schlechter als noch vor zwölf bis 14 Monaten. Frauen und Mädchen leiden stärker unter der Pandemie – für 71 Prozent hat sich das Leben negativ verändert, bei den jungen Männern sind es 58 Prozent. Unterschiede bestehen auch in den Altersgruppen: Unter den 16- bis 19-Jährigen sind 81 Prozent überzeugt, dass sich ihr Leben stark verschlechtert hat. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Generation Corona“ der pronova BKK, für die 1.000 junge Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren befragt wurden.

    Weitere Details
  • Leverkusen |

    51 Prozent der unter 30-Jährigen gehen davon aus, durch die Pandemie Nachteile im Berufsleben zu haben. Ebenso viele befürchten, dass die während der Pandemie gemachten Abschlüsse nicht so anerkannt werden wie die vorherigen. Erkenntnisse wie diese nehmen jungen Menschen die Vorfreude auf die Zukunft. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Generation Corona“ der pronova BKK, für die 1.000 junge Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren befragt wurden.

    Weitere Details
  • Leverkusen |

    Heute wurde das in 2018 unter Federführung der pronova BKK gestartete Innovationsfonds-Projekt OSCAR beendet. Erste Ergebnisse des Projektes zeigen, dass sich das Programm positiv auf die Therapie von Menschen mit Krebserkrankungen auswirken konnte. Neben einem Rückgang an Krankenhaus-Aufenthalten konnte zudem eine Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen festgestellt werden.

    Weitere Details