Studie: Arbeiten 2022

Mangelnder Team-Spirit, häufige Jobwechsel, gestresste Berufstätige – Corona hat die Arbeitswelt verändert und noch komplexer gemacht. Was das für die Gesundheit vieler Beschäftigter bedeutet, zeigt die repräsentative Studie „Arbeiten 2022“ der pronova BKK. Psychologin und Resilienz-Trainerin Patrizia Thamm ordnet für uns die Ergebnisse ein.

pronova BKK: Frau Thamm, trotz vielfältiger Gegenstimmen in der Öffentlichkeit wünscht sich jede und jeder zweite Beschäftigte weiterhin Maskenpflicht und Coronatests am Arbeitsplatz. Geben sie den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein Sicherheitsgefühl oder sind sie bloß Gewohnheit?

Patrizia Thamm: Beides trifft zu. Wir haben uns die vergangenen zwei Jahre an ein „neues Normal“ gewöhnt. Das heißt, die Corona-Maßnahmen empfinden wir nicht mehr als so lästig wie zu Beginn der Pandemie. Uns wurde in der Zeit der Pandemie zudem viel Kontrolle abgesprochen. Deshalb bedeuten die Schutzmaßnahmen auch eine Chance, wieder mehr Kontrolle zurückzugewinnen, indem wir Gefühlen von Angst und Verunsicherung konstruktiv begegnen können und ihnen nicht passiv ausgeliefert sind.

pronova BKK: 64 Prozent wollen der Studie zufolge nicht dauerhaft überwiegend von zuhause arbeiten. Sind die Deutschen homeoffice-müde?

Thamm: Absolut. Egal, wie viele Vorteile das Homeoffice mit sich bringt, es ist mittlerweile auch ein Stück weit entzaubert. Wir merken nun, der schnelle und unkomplizierte Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen fehlt uns. Das soziale Netzwerk auf der Arbeit stellt normalerweise eine große Kraftquelle dar, wirkt motivierend und ist im besten Fall auch ein Glücksgenerator. Wenn mal etwas schiefläuft oder schwierig ist, hilft uns das gegenseitige Mitgefühl und die Unterstützung. Das gelingt auf persönlicher Ebene einfach besser und kann im digitalen Raum nicht gänzlich aufgefangen werden.

pronova BKK: Laut Umfrage sind Homeoffice und virtuelle Meetings Gift für den Zusammenhalt vor allem unter jüngeren Kolleginnen und Kollegen. Wie kann die Zusammenarbeit auf Distanz verbessert werden?

Thamm: Auch im digitalen Raum kommt es auf Team-Spirit an. Förderlich sind digitale Formate wie die virtuelle Kaffeepause, das virtuelle Mittagessen oder die virtuelle Feierabendrunde. Es ist auch wichtig, kontinuierlich zu überprüfen, wie die Kommunikation und das Miteinander im Team erlebt wird und wie mit den neuen ganz unterschiedlichen Erfahrungswelten im Gepäck auch digital gut zusammengearbeitet werden kann. Entsprechende Reflexionsräume unterstützen einen empathischeren und achtsameren Umgang miteinander.

pronova BKK: Jeder Zehnte geht trotz Corona zur Arbeit, insgesamt kurieren sich 72 Prozent nicht vollständig aus. Was hat das für Folgen für die Beschäftigten?

Thamm: Ganz klar, wer mit Corona zur Arbeit geht, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch das gesamte Team. Daher gilt, wer Corona hat, sollte zwingend zuhause bleiben und sich auskurieren.

pronova BKK: Trotz der Möglichkeit im Homeoffice zu bleiben, kommt mehr als ein Drittel der Menschen mit leichten Erkrankungen an den Arbeitsplatz und nehmen die Ansteckung ihrer Kolleginnen und Kollegen in Kauf. Warum?

Thamm: Die Gründe können ganz verschieden sein. Da wäre die Angst um den eigenen Arbeitsplatz, der eigene hohe Erwartungsdruck, ein hoher Arbeitsrückstand und das Gefühl, die Kolleginnen und Kollegen nicht im Stich lassen zu wollen. Das hohe Verantwortungsgefühl wird dann über die eigene Gesundheit und Ansteckungsgefahr gestellt. Es kann aber auch sein, dass die lange Isolation und die Lockerungen die Menschen mittlerweile etwas leichtsinniger sein lassen und das Risiko andere anzustecken in Kauf genommen wird. Stichwort Homeoffice-Müdigkeit. Aber noch mal ganz klar die Bitte, mit Corona wirklich zuhause zu bleiben und sich auszukurieren.

pronova BKK: Jüngere fühlen sich häufiger im Job gestresst als Ältere. Woher kommt das?

Thamm: Während der Pandemie hat die mentale und physische Gesundheit junger Menschen extrem gelitten. Sie durften ihre Freunde nicht treffen und mussten auf soziale Kontakte verzichten, die extrem wichtig für die Entwicklung sind. Die Online-Welt kann zwar einiges „abpuffern“, aber nicht alles. Ein weiteres Thema sind die Zukunftsängste dieser Generation. Die Angst etwa, die erforderlichen Leistungen in Ausbildung und Studium durch ausgefallene Präsenzzeiten nicht erbringen zu können oder auch die Angst, dass sich die Jobchancen insgesamt verschlechtert haben, sodass der Einstieg in die Berufswelt hürdenreich und die Gestaltung der beruflichen Zukunft schwierig ist. All diese coronabedingten Unsicherheiten fördern Stress.

pronova BKK: Mehr als ein Drittel hat ihren Job in den vergangenen zwei Jahren gewechselt. Sind die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wechselwilliger geworden?

Thamm: Die Corona-Pandemie war für viele Menschen auch eine Job-Krise. Es gab Insolvenzen, ganze Branchen lagen still. Etliche Menschen waren schlicht gezwungen, sich beruflich umzuorientieren. Meines Erachtens hat Corona aber auch als Beschleuniger bei all denen gewirkt, die schon vor der Pandemie unzufrieden im Job waren. Die haben sich auf die Suche begeben. Dahinter steht auch eine veränderte Priorisierung der Werte. In Krisen wie der Pandemie oder im Krieg werden elementare Bedürfnisse wieder wichtiger. Wir hinterfragen stärker, was der Sinn des Lebens ist und ob der Job noch glücklich macht. Hinzu kommt, dass wir während der Pandemie viel mehr Zeit und Raum besaßen, neue Möglichkeiten zu entdecken. Damit wurden Veränderungen greifbarer, sodass sich der ein oder andere umorientiert hat.

pronova BKK: Berufstätige schätzen ihr Burnout-Risiko höher ein als noch vor zwei Jahren. Was treibt diesen Trend?

Thamm: Das Berufsleben ist mit seinen Anforderungen enorm komplex geworden. Seit der Pandemie sind wir anderen Einflüssen ausgesetzt. Dazu zählt auch die Entgrenzung von Arbeit und Privatem, das ein höheres Gesundheitsrisiko darstellt. Wer mehr Stress hat, der läuft auch Gefahr, psychisch zu erkranken. Im Homeoffice gestaltet es sich viel schwieriger vom beruflichen Alltag abzuschalten – und das kann auch das Burnout-Risiko erhöhen. Hier muss Jede und Jeder noch viel stärker auf sein persönliches Energielevel achten und Selbstfürsorge betreiben.

pronova BKK: Welche Tipps haben Sie, um Arbeit und Privates zuhause besser voneinander zu trennen?

Thamm: Feste Strukturen schaffen und klar kommunizieren. Entfällt der Arbeitsweg, ließe sich dieser beispielsweise durch einen kurzen Spaziergang am Morgen ersetzen. Die Mittagspause sollte zuhause ebenso eingebaut werden wie im Büro. Mikro-Erholungen helfen dem Körper zu regenerieren. In Familien ist es zusätzlich wichtig, feste Arbeitszeiten zu kommunizieren, um sich den Raum zu schaffen, mit Ruhe und Fokus arbeiten zu können.

pronova BKK: Arbeitende Frauen leiden der Studie zufolge an mehr Stress-Symptomen als Männer – innere Anspannung, Erschöpfung, Reizbarkeit, Selbstzweifel. Warum betrifft dies offenbar die Frauen stärker?

Thamm: Ich führe das vor allem darauf zurück, dass sich Frauen oftmals in ihrer Rolle mehr für das Wohl der Familie, des Partners oder auch des Teams verantwortlich fühlen und sich über die Beziehungsarbeit mehr Gedanken machen. Dieser Mental Load, der zusätzlich zum Erwerbsleben anfällt und vielfach unsichtbar bleibt, kann einen wesentlichen zusätzlichen Stressfaktor ausmachen. Hinzu kommt oft der hohe eigene Erwartungsdruck von Frauen, viel Einsatz und Engagement zeigen zu müssen, um auf der Karriereleiter empor zu klettern. Grundsätzlich bin ich aber auch davon überzeugt, dass der Unterschied deshalb so auffällt, weil Frauen es oftmals bei Stress leichter fällt, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und ihre Belastung zu teilen. Das führt dazu, dass Frauen – auch wenn sie oft mehr Stress empfinden – diesen nicht nur besser zum Ausdruck bringen, sondern auch wirksamer verarbeiten können.

Zur Expertin:

Patrizia Thamm ist Psychologin, Resilienz-Trainerin und Referentin Gesundheitsförderung bei der pronova BKK.

Pressemitteilungen

CORONA-HERBST: BERUFSTÄTIGE WÜNSCHEN ERNEUTE MASKENPFLICHT UND TESTS, ABER KAUM HOMEOFFICE

Obwohl zwei Drittel Jobs mit Homeoffice-Option haben, schließen fast gleich viele den heimischen Schreibtisch als Dauerlösung aus

Leverkusen, 11. Oktober 2022 – Gewohnte Maßnahmen wie Maskenpflicht und regelmäßige Corona-Tests am Arbeitsplatz präferiert jede und jeder Zweite weiterhin, wenn in diesem Herbst eine erneute starke Corona-Welle anrollt. Auch ein Lüftungskonzept, weniger Personen pro Raum sowie die Desinfektion von Flächen sind weiterhin erwünscht. Jeder Siebte (14 Prozent) hat allerdings genug von jeglichen Maßnahmen und möchte keinerlei coronabedingte Einschränkungen mehr. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Arbeiten 2022“ der pronova BKK, für die im September 2022 rund 1.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt wurden.

Die Präferenz der Mitarbeitenden im dritten Corona-Herbst ist eindeutig: 48 Prozent der Berufstätigen in Deutschland befürworten eine erneute Maskenpflicht am Arbeitsplatz, um sich sicherer zu fühlen. Ebenso viele wünschen sich regelmäßige Coronatests für Mitarbeitende. Für 43 Prozent trägt ein Lüftungskonzept zum Sicherheitsgefühl im Job bei. 41 Prozent möchten, dass am Arbeitsplatz alle Flächen regelmäßig desinfiziert werden. Gleich viele präferieren, dass Räume mit weniger Personen besetzt werden und 40 Prozent größere Abstände. Die 18- bis 29-Jährigen legen auf alle Maßnahmen etwas weniger Wert.

Eine weitere Maßnahme um das Infektionsrisiko zu verringern, ist die Arbeit von zuhause aus. Insgesamt gehen 65 Prozent der Beschäftigten in Deutschland einer Tätigkeit nach, bei der grundsätzlich die Möglichkeit besteht, Homeoffice zu nutzen. Für 30 Prozent aller Befragten ist es das „New Normal“ geworden, sie können ohne Abstimmung und Anwesenheitspflicht jederzeit vom heimischen Arbeitsplatz aus tätig sein. Zwölf Prozent haben feste Tage dafür. Bei 23 Prozent wird allerdings weiterhin kein Homeoffice außerhalb der Corona-Zeiten angeboten, obwohl dies möglich wäre.

Entzaubert: Homeoffice dauerhaft keine Optimal-Lösung

Die Telearbeit ersetzt nicht die Anwesenheit im Unternehmen: Nur zwei Prozent der unter 30-Jährigen und vier Prozent aller Befragten geben an, nicht mehr ins Büro kommen zu wollen und nur im Homeoffice sicher zu sein. Heimarbeit als ideale Dauerlösung ist durchgefallen: 64 Prozent möchten nicht für immer überwiegend im Homeoffice arbeiten.

„Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften (AHA+L) sind geübt und Beschäftigte fühlen sich damit auch bei einer erneuten Corona-Welle geschützt, sofern sie ausreichend gegen SARS-CoV-2 geimpft sind“, sagt Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK. „Nach mehr als zwei Jahren haben viele die Erfahrung gemacht, dass am heimischen Arbeitsplatz auch andere Gesundheitsrisiken lauern: Rückenschmerzen durch ungesunde Haltung und mangelnde ergonomische Ausstattung, weggefallene Bewegung auf dem Arbeitsweg, aber auch psychische Probleme durch weniger Kontakt und Wertschätzung.“

Teamwork leidet unter Telearbeit

Denn auch die Studie zeigt, dass Homeoffice und virtuelle Meetings nicht einfach sind fürs Team: Zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bemerken, dass der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit darunter leiden. Fehlendes Arbeitszimmer, lärmende Familienmitglieder und Laptop am Küchentisch: Mehr als jeder Zweite gibt an, dass er von den Räumlichkeiten her überhaupt nicht dauerhaft im Homeoffice arbeiten könnte. Es gibt jedoch Wege für Firmen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen: 84 Prozent der Befragten geben an, dass Unternehmen besser durch die Krise kommen, wenn die Wertschätzung der Mitarbeitenden ein zentraler Teil ihrer Unternehmenskultur ist. 74 Prozent sagen, dass es vom Vertrauen der Führungskräfte abhänge, wie gut neue (digitale) Arbeitsformen gelingen.

Zur Studie

Die Studie „Arbeiten 2022“ wurde im September 2022 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.206 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahre repräsentativ online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits rund 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon, per Videoberatung, über die App, via E-Mail, im Chat oder in den 60 Servicecentern vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden.

STUDIE: DREI VIERTEL DER BERUFSTÄTIGEN GEHEN KRANK ZUR ARBEIT

Trotz positivem Corona-Test erscheinen neun Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter im Unternehmen

Leverkusen, 19. Oktober 2022 – Jeder und jede zehnte Beschäftigte geht selbst mit einem positiven Corona-Test und mildem Verlauf weiterhin ins Büro oder in den Betrieb. Jede und jeder Fünfte tut dies mit einem ansteckenden Infekt. Am häufigsten kommen die Mitarbeitenden bei Rückenschmerzen trotzdem in die Firma (49 Prozent). Nur 28 Prozent der Deutschen bleiben bei Krankheit konsequent zuhause und arbeiten nicht. Die unter 30-Jährigen erscheinen häufiger als im Bevölkerungsschnitt krank zur Arbeit. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Arbeiten 2022“ der pronova BKK, für die im September 2022 rund 1.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt wurden.

38 Prozent der Berufstätigen gehen bei Allergien weiterhin vor Ort ihrem Beruf nach. Rund ein Drittel der Berufstätigen erscheint bei psychosomatischen oder psychischen Beschwerden und leichten Erkrankungen im Unternehmen. Bei einem negativen Corona-Test, aber einem anderen ansteckenden Infekt arbeiten 20 Prozent in Präsenz, mit Erkrankungen der Atemwege noch 18 Prozent. Verletzungen des Bewegungsapparates halten 16 Prozent nicht vom Job ab. Etwa jeder und jede Zehnte macht das Erscheinen in der Firma davon abhängig, wie viel zu tun ist – und nicht von seinem Gesundheitszustand. Nur eine Minderheit kuriert sich zuhause vollständig aus. Bei einem positiven Corona-Test tut dies jede und jeder Dritte, bei einem ansteckenden Infekt nur noch 28 Prozent und bei leichten Erkrankungen zwölf Prozent. Rückenschmerzen kurieren nur acht Prozent so lange aus, bis es ihnen wirklich besser geht.

„Manche haben Sorge als faul zu gelten oder den Kolleginnen und Kollegen die Vertretung zuzumuten: An der Gewohnheit vieler Beschäftigter, am Arbeitsplatz präsent zu sein, scheinen die Erfahrungen mit dem Infektionsschutz während der Corona-Pandemie nichts geändert zu haben“, sagt Dr. Gerd Herold, Beratungsarzt bei der pronova BKK. „Doch wer sich nicht in Ruhe auskuriert, riskiert, dass Viruserkrankungen auch Herz oder andere Organe angreifen oder sich durch Medikamente unterdrückte Symptome verschlimmern. Noch dazu können Mitarbeitende angesteckt werden – nicht nur bei einer Präsenz trotz positivem Corona-Test eine unzumutbare Gefahr.“

Überraschend ist, dass weniger Befragte im Krankheitsfall von zu Hause aus arbeiten als vor Ort im Unternehmen – trotz verstärkter Telearbeit während der Pandemie. Beispielsweise gehen 34 Prozent mit leichten Erkrankungen in den Betrieb und nur 18 Prozent arbeiten im Homeoffice. Selbst bei einer Corona-Erkrankung mit mildem Verlauf nutzen zwar mit 17 Prozent etwa doppelt so viele Beschäftigte den Heimarbeitsplatz wie den Arbeitsplatz vor Ort – neun Prozent erscheinen aber weiterhin im Betrieb.

Unter 30-Jährige gesundheitlich angeschlagen und seelisch gestresst

Gerade bei den Jüngeren legen die Studienergebnisse häufigere Erkrankungen nahe, denn ihr körperliches und seelisches Befinden hat sich deutlich verschlechtert. 64 Prozent der 18- bis 29-Jährigen empfinden ihren Gesundheitszustand derzeit als gut oder sehr gut, das sind 14 Prozentpunkte weniger als noch vor zwei Jahren. 2020 hatten in der Vorgängerstudie der pronova BKK 78 Prozent diese positive Einschätzung abgegeben. In der Gesamtbevölkerung sank das Gesundheitsempfinden jedoch nur um zwei Prozentpunkte auf 67 Prozent.

„Die Corona-Krise hat denen zu schaffen gemacht, die sich am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn befinden, ihren Abschluss im Lockdown gemacht haben oder ihre Berufsentscheidung treffen mussten“, sagt Dr. Herold. „Die Belastungen machen sie anfälliger für Infekte und haben psychische Leiden gefördert.“

Stress im Arbeitsalltag betrifft 94 Prozent der unter 30-Jährigen, in der Gesamtbevölkerung sind es zehn Prozentpunkte weniger. Zu den größten Belastungsfaktoren gehören dabei Überstunden und ständiger Termindruck. Vor allem der Stress durch sogenannte weiche Faktoren hat zugenommen: 93 Prozent der 18- bis 29-Jährigen, und damit zehn Prozentpunkte mehr als 2020, belasten psychische Komponenten bei der Arbeit. Top-Nennung bei den Jüngeren ist schlechtes Arbeitsklima (28 Prozent), gefolgt von kurzen Pausen (27 Prozent) und emotionalem Stress (26 Prozent). Die Angst um den Arbeitsplatz macht Jüngeren häufiger zu schaffen als Älteren, zudem hat diese auch seit 2020 zugenommen: Derzeit sorgen sich 19 Prozent um Jobverlust, 2020 waren es 13 Prozent. Um dieser Angst entgegenzuwirken, leisten 38 Prozent der 18- bis 29-Jährigen Überstunden, im Altersdurchschnitt sind es 30 Prozent.

Zur Studie

Die Studie „Arbeiten 2022“ wurde im September 2022 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.206 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahre repräsentativ online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits rund 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon, per Videoberatung, über die App, via E-Mail, im Chat oder in den 60 Servicecentern vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden.

STUDIE: MEHR ALS JEDE UND JEDER DRITTE WECHSELT JOB IN DER CORONA-KRISE

56 Prozent finden, der Stellenwert der Arbeit sei während der Corona-Pandemie gegenüber Familie und Freizeit in den Hintergrund geraten

Leverkusen, 14. November 2022 – Umbruchstimmung bei Beschäftigten in den vergangenen zwei Jahren: 26 Prozent der deutschen Berufstätigen haben während der Pandemie den Arbeitgeber gewechselt, weitere zehn Prozent haben intern im selben Unternehmen eine andere Tätigkeit begonnen. Bei den unter 30-Jährigen hat sogar jede und jeder Zweite gewechselt. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Arbeiten 2022“ der pronova BKK, für die im September 2022 rund 1.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt wurden.

Die häufigsten Gründe für den Jobwechsel waren fehlende Aufstiegschancen (24 Prozent), mangelnde Wertschätzung und schlechte Bezahlung (je 23 Prozent). 22 Prozent haben aus Überlastung und Stress die Stelle gewechselt. Insgesamt fühlen sich 84 Prozent im Arbeitsalltag gestresst, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 94 Prozent. Jeder und jede Fünfte mit neuem Tätigkeitsfeld führt das schlechte Arbeitsklima beim alten Posten als Grund an. Unzufriedenheit mit den Aufgaben, fehlende Weiterbildung, mangelnde Work-Life-Balance und der Wunsch nach Neuanfang, keine Identifikation mit dem Unternehmen, familienunfreundliches Umfeld und Probleme mit Vorgesetzten sind ebenfalls oft genannte Gründe.

„Die Corona-Pandemie war für viele Menschen auch eine Job-Krise. Manche waren schlicht gezwungen, sich umzuorientieren. Für andere, die mit ihrem Job vorher schon unzufrieden waren, hat Corona auch als Beschleuniger für einen beruflichen Wechsel gewirkt. In Krisenzeiten wie diesen rücken unsere elementaren Bedürfnisse wieder mehr in den Fokus. Die Menschen reflektieren sich und ihre berufliche Situation stärker. Das Entstehen neuer flexibler Arbeitsmodelle in Kombination mit den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen haben bei vielen eine berufliche Veränderung greifbarer und attraktiv gemacht“, sagt Psychologin und Resilienz-Trainerin Patrizia Thamm, Referentin Gesundheitsförderung bei der pronova BKK.

Kündigung aus eigenem Antrieb

29 Prozent der unter 30-Jährigen und 19 Prozent in der Gesamtbevölkerung haben ihren Job in den vergangenen zwei Jahren aus eigenem Antrieb gekündigt. 25 Prozent der Jüngeren und 18 Prozent aller Befragten haben sogar das Berufsfeld gewechselt. 19 bzw. 14 Prozent konnten die Tätigkeit wegen der Pandemie nicht mehr ausüben. 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben in den vergangenen zwei Jahren eine Auszeit genommen – in der Gesamtbevölkerung geben das 20 Prozent an.

„Während der Pandemie hat die mentale und physische Gesundheit junger Menschen extrem gelitten. Zukunftsängste dieser Generation haben sich verstärkt, etwa hatten viele von ihnen Angst, dass sich durch die Pandemie der Einstieg in die Berufswelt hürdenreich gestaltet. Offenbar haben junge Menschen teilweise darauf reagiert, indem sie sich eine Auszeit genommen haben“, so Psychologin Thamm.

Nicht nur unter 30-Jährige haben sich umorientiert. Auch konnten Familien im Homeoffice mehr Zeit miteinander verbringen. Das lieferte laut Studie einen weiteren Grund, um gerade jetzt über einen Jobwechsel nachzudenken: 56 Prozent sagen, in der Corona-Pandemie sei der Stellenwert der Arbeit im Vergleich zu Familie, Freunden oder Freizeit in den Hintergrund getreten. Für 64 Prozent aller Befragten führt das Arbeiten im Homeoffice zu einer besseren Work-Life-Balance.

Zur Studie

Die Studie „Arbeiten 2022“ wurde im September 2022 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.206 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahre repräsentativ online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits rund 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon, per Videoberatung, über die App, via E-Mail, im Chat oder in den 60 Servicecentern vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden.

SEIT PANDEMIE: FRAUEN MEHR GESTRESST ALS MÄNNER

61 Prozent der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich burnout-gefährdet

Leverkusen, 22. November 2022 – In der gesamten Bevölkerung ist das Burnout-Risiko in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ein Viertel der Beschäftigten stuft die eigene Gefährdung inzwischen als hoch ein – 2018 waren es noch 14 Prozent. Vor allem Frauen leiden unter diversen Beschwerden, die mit Stress und Burnout assoziiert werden. Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Studie „Arbeiten 2022“ der pronova BKK, für die im September 2022 rund 1.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahren befragt wurden.

Insgesamt diagnostizieren sechs von zehn Deutschen bei sich ein Risko für Burnout, bei 25 Prozent ist die Wahrscheinlichkeit dafür sogar hoch. Viele spüren im Erwerbsleben bereits Symptome von Stress und Überlastung: 24 Prozent leiden oft an Rückenschmerzen, 23 Prozent sind häufig erschöpft und müde. Innerliche Anspannung beklagen 23 Prozent, vor zwei Jahren waren es noch 18 Prozent. Auch Schlafstörungen und Lustlosigkeit haben im Vergleich zur Vorgängerstudie 2020 zugenommen. 22 Prozent grübeln zu viel.

Die Gründe gerade für die seelischen Einflüsse haben sich dabei verändert: Sorgen etwa um den Ukraine-Krieg oder die Pandemie begleiten 22 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland auch in ihrem Beruf. Die Angst um den Job beschäftigt 17 Prozent aller Befragten und 19 Prozent der unter 30-Jährigen. Häufigste psychische Belastungen im Arbeitsalltag sind emotionaler Stress (26 Prozent), zu kurze Pausen (25 Prozent) und das Verhalten der Vorgesetzten (24 Prozent).

„Die Anforderungen im Berufsleben sind komplexer geworden. Dazu kommen Schwierigkeiten, im Homeoffice vom beruflichen Alltag abzuschalten. Die Entgrenzung von Arbeit und Privatem kann das Burnout-Risiko erhöhen, ebenso sorgt die Angst vor einem Jobverlust zusätzlich für mehr Leistungsdruck. Im schlimmsten Fall landet der oder die Beschäftigte in einer völligen Erschöpfung“, sagt Psychologin Patrizia Thamm, Referentin Gesundheitsförderung bei der pronova BKK.

Frauen stehen im Job stärker unter Druck

Dabei zeigt die Studie deutlich, dass berufstätige Frauen eigenen Aussagen zufolge stärker von Stress-Symptomen betroffen sind als ihre männlichen Kollegen: 66 Prozent der Frauen, aber nur 56 Prozent der Männer leiden unter Beschwerden, die durch private und berufliche Belastungen entstehen. 16 Prozent der Frauen (9 Prozent der Männer) klagen oft über mindestens sieben Beschwerden wie Rückenschmerzen, Müdigkeit, innere Anspannung, Reizbarkeit, Kopfschmerzen oder Selbstzweifel. Beispielsweise nehmen 27 Prozent der Arbeitnehmerinnen und nur 19 Prozent der Arbeitnehmer innere Anspannung bei sich wahr.

„Frauen fühlen sich oftmals in ihrer Rolle mehr für die Beziehungsarbeit verantwortlich, machen sich also um das Wohl von der Familie, dem Partner oder dem Team mehr Gedanken. Dieser Mental Load bleibt vielfach unsichtbar, kann aber einen weiteren zusätzlichen Stressfaktor ausmachen“, erklärt Resilienz-Trainerin Thamm. „Dazu kommt manchmal auch die hohe Erwartungshaltung vieler Frauen an sich selber. Sie glauben, den Vertrauensvorschuss, den oftmals Männer im Job genießen, ausgleichen und deshalb mehr Einsatz zeigen zu müssen. Das trägt unmittelbar zu mehr Stress bei.“

Corona verändert Work-Live-Balance

Auch im Privatleben hat die Corona-Pandemie bei vielen Frauen zu mehr Belastungen geführt. Denn bei jedem zweiten Haushalt mit Kind hat sich die Rollenverteilung durch Corona geändert. Zumeist hin zur klassischen Verteilung, bei der die Frau mehr für Haushalt und Kinderbetreuung tut als der Mann. Trotzdem sagen 64 Prozent aller Befragten und auch aller Frauen, dass das Arbeiten im Homeoffice zu einer besseren Work-Life-Balance führen würde.

„Manche Familien haben von mehr Zeit mit den Kindern und fehlenden Arbeitswegen profitiert. Die klassische Rollenverteilung war aber oft nur ein Arrangement in einer Ausnahmesituation, an die sich die Familien gewöhnt haben“, sagt Psychologin Thamm. „Abgrenzung und feste Strukturen sind wichtig. Gerade in Familien muss klar sein, in welchen Zeiten gearbeitet wird und wann bewusste Pausen eingebaut werden. In der Mittagspause können Beschäftigte im Homeoffice einen kleinen Spaziergang machen, um sich auch räumlich von der Arbeitsumgebung zu lösen.“

Zur Studie

Die Studie „Arbeiten 2022“ wurde im September 2022 im Auftrag der pronova BKK durchgeführt. Bundesweit wurden 1.206 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ab 18 Jahre repräsentativ online befragt.

Über die pronova BKK

Die pronova BKK ist aus Zusammenschlüssen der Betriebskrankenkassen namhafter Weltkonzerne wie BASF, Bayer, Continental und Ford entstanden. Bundesweit für alle Interessenten geöffnet, vertrauen der Krankenkasse bereits rund 650.000 Versicherte ihre Gesundheit an. Ob über das rund um die Uhr erreichbare Servicetelefon, per Videoberatung, über die App, via E-Mail, im Chat oder in den 60 Servicecentern vor Ort – die pronova BKK kümmert sich jederzeit um die Anliegen ihrer Kundinnen und Kunden.

Pressekontakt pronova BKK

Nina Remor
pronova BKK
Horst-Henning-Platz 1
51373 Leverkusen
Tel.: 0214 32296-2305
E-Mail: presse@pronovabkk.de

Weitere Studien

  • Die repräsentative Studie „Fitness 2022“ der pronova BKK beleuchtet das Fitnesslevel der Deutschen nach zwei Jahren Pandemie. Die Ergebnisse zeigen, dass Homeoffice, geschlossene Sportstudios und weniger Alltagsbewegung Spuren hinterlassen haben. Wir haben den Personal- und Athletiktrainer Arne Greskowiak um eine Einordnung der Ergebnisse gebeten.

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  • Nur ein kleiner, feiner Unterschied? Alles schreit nach Gleichberechtigung, nach Gleichbehandlung. Doch in der Medizin ist das gar nicht so sinnvoll. Denn: Der biologische Unterschied zwischen Mann und Frau hat große Auswirkungen auf Krankheitsverläufe, Symptome, Arzneimittelwirkung. Und genau aus diesen Gründen ist die geschlechtssensible Medizin – die Gendermedizin – so wichtig.

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  • Eine repräsentative Studie der pronova BKK beleuchtet, wie die „Generation Z“ auf das Thema Gesundheit und Vorsorge blickt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren ganz bewusst und sehr reflektiert mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen. Nach anderthalb Jahren Pandemie fühlen sie sich jedoch ausgelaugt und sind psychisch erschöpft. Sie bezeichnen sich selbst als Leidtragende der Pandemie. Wir haben die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunfts- und Trendforscherin Corinna Mühlhausen um eine Einordnung der Ergebnisse gebeten.

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  • Eine aktuelle Studie der pronova BKK beleuchtet die Einstellungen und Stimmungen von Familien in der Corona-Krise. Wir haben hierfür 1.000 Menschen mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt befragt. Die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen ordnet die Ergebnisse ein.

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