SSW 35 Vorbereitung ist alles

Ab der 35. Schwangerschaftswoche beginnt die Phase, in der du dich körperlich und organisatorisch auf die Geburt vorbereiten kannst, um gut durch die letzten Wochen zu kommen.

Ab der 35. Schwangerschaftswoche beginnt die Phase, in der du dich körperlich und organisatorisch auf die Geburt vorbereiten kannst, um gut durch die letzten Wochen zu kommen.

Das erwartet dich in SSW 35

Du bist jetzt in der 35. Schwangerschaftswoche – und erlebst eine Zeit, in der vieles noch einmal intensiver werden kann. Dein Körper arbeitet auf Hochtouren, dein Baby wächst weiter und bereitet sich darauf vor, in den nächsten Wochen geboren zu werden. Wann genau das passiert, ist sehr individuell: Manche Kinder kommen früher, viele um den errechneten Termin herum.

In dieser Phase beschäftigen dich wahrscheinlich 2 Dinge ganz besonders: die körperliche Vorbereitung auf die Geburt und die Organisation der letzten Schritte davor. Beides gehört jetzt zusammen, denn gut vorbereitet, das heißt auch: selbstsicherer durch die kommenden Wochen zu gehen.

Wichtig zu wissen: Der errechnete Geburtstermin (ET) liegt in der 40. Schwangerschaftswoche, aber nur etwa 3-5 % der Kinder werden genau an diesem Tag geboren: Als „termingeboren“ gelten alle Babys, die zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche geboren werden.

Dein Baby in SSW 35

Dein Baby wiegt jetzt durchschnittlich 2.527 g und ist etwa 45,4 cm groß – gemessen vom Scheitel bis zur Ferse (SFL). Die Körperproportionen entsprechen schon denen eines Neugeborenen. Nur beim Gewicht legt dein Kind in den letzten Wochen noch deutlich zu. Die wachsenden Fettpolster helfen deinem Baby nach der Geburt, die eigene Körpertemperatur stabil zu halten.

Die Lunge ist fast vollständig ausgereift. Sollte dein Baby jetzt zur Welt kommen, kann es meist selbstständig atmen. Manche Kinder brauchen nach der Geburt in SSW 35 noch kurzfristig Atem-Unterstützung.

Was passiert noch im Körper des Babys?

Neben der Ausreifung der Lunge entwickelt sich auch das kindliche Immunsystem intensiv weiter: Über die Plazenta gelangen verstärkt Antikörper aus deinem Blut zu deinem Baby und geben ihm einen 1. wichtigen Schutz. Dieser sogenannte Nestschutz begleitet dein Baby durch die ersten Lebenswochen, bis sein eigenes Immunsystem stärker wird und selbst aktiv arbeiten kann. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt dennoch, bereits ab der 8. Lebenswoche mit den ersten Schutzimpfungen zu beginnen. Dazu gehören u. a. die Impfungen gegen Rotaviren, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hib, Polio, Hepatitis B sowie Pneumokokken. Alle von der STIKO empfohlenen Impfungen für Säuglinge werden selbstverständlich von deiner Pronova BKK übernommen.

Auch bei der Lage des Babys bzw. seiner Geburtsposition tut sich einiges: Viele Babys haben sich bereits in die Schädellage gedreht, liegen also mit dem Kopf nach unten. Andere lassen sich noch Zeit und liegen quer im Bauch oder mit dem Po nach unten. Das ist in dieser Schwangerschaftswoche völlig normal: Dein Kind kann sich bis kurz vor der Geburt noch drehen.

Sollte dein Baby in einer Position liegen, die noch nicht optimal für eine vaginale Geburt ist, wird deine Hebamme die Lage in den nächsten Wochen intensiv beobachten. In manchen Fällen kann später – abhängig von Sicherheit und individuellen Voraussetzungen – auch ein sanfter Wendungsversuch von außen in Betracht kommen.

Die Bewegungen deines Babys können sich jetzt kraftvoller anfühlen, auch wenn sie manchmal etwas langsamer wirken. Das liegt daran, dass der Platz in deinem Bauch knapp wird.

Dein Körper in SSW 35

Vielleicht merkst du in dieser Woche, dass sich dein Körper immer deutlicher auf die Geburt einstellt. Jetzt geht es vor allem darum, dich bewusst vorzubereiten. Kleine, regelmäßige Übungen können dich stärken, dein Körpergefühl verbessern und dir helfen, entspannt in die letzten Wochen zu gehen. Es geht dabei nicht um Leistung, sondern um ein gutes Körperbewusstsein und Vertrauen in deine eigene Kraft.

Beckenboden: Trainieren für die Geburt

Dein Beckenboden leistet jetzt Großes. Er trägt das zunehmende Gewicht deines Babys und wird eine Schlüsselrolle bei der Geburt einnehmen. Mit einfachen Übungen kannst du lernen, ihn bewusst anzusteuern, zu entspannen und zu kräftigen – nicht um ihn zu „straffen“, sondern um ihn gezielt zu unterstützen. Das hilft dir später beim Pressen und beim Entspannen in den Geburtsphasen.

Versuche es doch einmal mit einer Atem-Beckenboden-Kombination, indem du deine Atmung mit der Aktivierung des Beckenbodens verbindest:

  • Beim Einatmen loslassen
  • Beim Ausatmen sanft anspannen

Wenige Minuten täglich reichen völlig aus. Viele weitere Übungen findest du in unserem Beckenboden-Ratgeber.

Atmen für mehr innere Ruhe

Atemtechniken, die du z. B. im Geburtsvorbereitungskurs lernst, helfen dir während der Geburt, Schmerzen besser zu verarbeiten, den Beckenboden zu entspannen und ruhig zu bleiben. Für den Moment genügt es, erste Übungen auszuprobieren, z. B.:

  • Langsam durch die Nase einatmen.
  • Doppelt so lange durch den Mund ausatmen.
  • Schultern dabei bewusst sinken lassen.

Eine ausführliche Einführung in Entspannungs- und Atemtechniken erwartet dich in SSW 36.

Stillvorbereitung

Es ist eine gute Idee, sich schon vor der Geburt mit dem Stillen zu beschäftigen. Gut zu wissen: Die Brustdrüsen bereiten sich selbstständig auf das Stillen vor, ohne dass du etwas tun musst. Du musst die Brustwarzen auch nicht abhärten, wie es früher oft empfohlen wurde. Sanfte Pflege reicht völlig aus. Was dir aber helfen kann, ist Wissen:

  • Wie läuft der Stillstart im Kreißsaal ab?
  • Wann kommt der Milcheinschuss?
  • Was muss ich in den ersten Tagen nach der Geburt beachten?
  • Welche Stillpositionen und Anlegetechniken gibt es?
  • Was ist wichtig für einen guten Milchfluss?
  • Wer hilft mir bei Startschwierigkeiten oder Stillproblemen?
  • Was kann ich tun, wenn ich nicht stillen möchte?

Antworten auf all diese Fragen bekommst du z. B. in deinem Geburtsvorbereitungskurs, in Gesprächen mit deiner Hebamme oder auch in der Keleya-App.

Dammmassage: Vorbereitung, die sich lohnt

Der Damm ist der Bereich zwischen Vagina und After – ein sensibler Abschnitt aus Haut, Bindegewebe und Muskeln. Während einer vaginalen Geburt wird der Damm stark gedehnt, wenn der Kopf deines Babys nach außen tritt. Je geschmeidiger und elastischer das Gewebe ist, desto leichter kann es sich an die Spannung anpassen. Eine gut vorbereitete Dammregion kann dazu beitragen, Geburtsverletzungen wie einem Dammriss oder einem Dammschnitt vorzubeugen.

Für die letzten Wochen vor der Geburt empfehlen viele Hebammen daher eine regelmäßige Dammmassage. Die Massage kannst du täglich oder mehrmals pro Woche durchführen. Viele Frauen bemerken bereits nach 2 Wochen, dass das Gewebe dadurch weicher und elastischer wird.

  • Nimm dir Zeit und sorge für Wärme, damit das Gewebe geschmeidiger wird. Führe die Massage z. B. nach einer Dusche durch.
  • Wasche dir gründlich die Hände und kürze gegebenenfalls die Fingernägel, um die empfindliche Haut in dieser Körperregion nicht zu verletzen.
  • Wähle eine bequeme Position, z. B. im Sitzen oder halb liegend, gern mit Kissen unter dem Po zur Unterstützung.
  • Nutze ein geeignetes Öl, etwa Weizenkeim-, Mandel- oder ein neutrales Pflanzenöl.
  • Für den Anfang kannst du einen Spiegel zur Hand nehmen.

  • Führe deine Daumen etwa 2,5-4 cm in die Vagina ein und lege sie an die hintere Vaginalwand in Richtung Po.
  • Drücke langsam in Richtung After und zu den Seiten, bis du ein Dehngefühl spürst. Halte dieses Dehnen für ca. 1 min. Atme ruhig und bewusst weiter, um die Muskulatur zu entspannen.
  • Beginne nun die Massage: Bewege deine Daumen in einer U-förmigen Bewegung entlang der unteren Vaginalwand. Massiere 2-3 min sanft weiter. Der Fokus liegt nicht auf Stärke, sondern auf Entspannung und Wahrnehmung.
  • Wiederhole den Ablauf 2-3x.
  • Falls du Narbengewebe von einer vorherigen Geburt hast, kannst du es gezielt und sehr behutsam miteinbeziehen. Eine regelmäßige Massage kann die Elastizität von Narben erhöhen.

  • Wenn du eine vaginale Infektion hast (z. B. Pilzinfektion, bakterielle Vaginose)
  • Wenn du Blutungen, starken Druck oder Schmerzen im Beckenboden bemerkst
  • Wenn du zu vorzeitigen Wehen neigst.
  • Wenn die Dammmassage Schmerzen auslöst, die über ein leichtes Ziehen hinausgehen
  • Wenn deine Ärztin, dein Arzt oder deine Hebamme davon abrät (z. B. bei bestimmten Schwangerschaftskomplikationen)

Wenn du dir unsicher bist, ob die Dammmassage für dich geeignet ist oder wie sie genau funktioniert, sprich deine Hebamme an. Sie kann dir die Technik zeigen, Alternativen empfehlen und gemeinsam mit dir herausfinden, was deinem Körper jetzt besonders guttut.

Untersuchung in SSW 35: B-Streptokokken-Test

Zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche steht ein wichtiger Vorsorgetest an: der B-Streptokokken-Test (GBS-Test). Dabei wird mit einem Abstrich aus Vagina und Enddarm geprüft, ob sich dort eine bestimmte Bakterienart findet, die unter der Geburt — insbesondere bei vaginaler Entbindung — auf das Baby übergehen könnte.

Für dich als Trägerin sind diese sogenannten B-Streptokokken meist harmlos. Beim Neugeborenen können sie aber ernsthafte Erkrankungen auslösen, z. B. eine Neugeborenensepsis, Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung. Bei etwa 20 % der Schwangeren werden B-Streptokokken nachgewiesen. In 1-2 % der Fälle werden die Bakterien auf das Neugeborene übertragen.

Wenn bei dir B-Streptokokken nachgewiesen wurden, erhältst du während der Geburt ein Antibiotikum über die Vene. Diese Behandlung schützt dein Baby davor, sich beim Durchtritt durch den Geburtskanal mit den Bakterien anzustecken. Das Medikament wird erst gegeben, wenn die Wehen beginnen oder die Fruchtblase springt. Schon nach wenigen Stunden ist die Bakterienlast so weit reduziert, dass das Infektionsrisiko für dein Baby deutlich sinkt.

Mehr drin für dich und dein Baby

Der B-Streptokokken-Test zählt in der Regel nicht zu den standardmäßigen Vorsorgeleistungen, sondern wird als sogenannte IGeL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) angeboten. Mit unserem Leistungszuschuss für deine Schwangerschaft beteiligen wir uns an den Kosten für diesen und weitere bestimmte Tests: Das Extrabudget von insgesamt max. 125 € je Schwangerschaft kannst du für den B-Streptokokken-Test, aber auch für den Ringelröteln- und Windpocken-Test, den Zytomegalie-Test und den Toxoplasmose-Suchtest nutzen. Einfach die Rechnung dafür bei uns einreichen. Wenn deine Arztpraxis und du an unserem Vorsorgeprogramm „Hallo Baby“ teilnehmen, läuft die Abrechnung für die Tests auf Toxoplasmose und B-Streptokokken direkt über deine eGK, unabhängig vom Zuschuss.

Der Geburtsplan

Ein Geburtsplan ist kein starrer Ablaufplan für die Geburt – vielmehr soll er eine Orientierungshilfe für dich und deine Begleitperson sein. Deiner Hebamme oder deinem geburtshilflichen Team zeigt er, was dir wichtig ist, was du dir wünschst und wo deine Grenzen liegen. Dir gibt er Struktur, Ruhe und Selbstbestimmtheit – gerade dann, wenn die Geburt anders verläuft als gedacht. Und deine Begleitung kann sich für dich und deine Wünsche einsetzen, falls du in dem Moment keine Kraft dazu hast. In unserem Ratgeber zum Geburtsplan findest du kompakte Erklärungen, Beispiele und eine PDF-Vorlage zum Herunterladen, die du direkt nutzen kannst.

Dein Geburtsplan muss nicht bis in jedes Detail ausgearbeitet sein. Eine kurze, realistische Übersicht reicht völlig aus. Überlege dir:

  • Welche Geburtspositionen möchtest du ausprobieren?
  • Wie stellst du dir Schmerzlinderung vor?
  • Wer begleitet dich, und was wünscht du dir von deiner Begleitperson?
  • Möchtest du direkt nach der Geburt Haut-zu-Haut-Kontakt?
  • Wie stellst du dir Bonding, Stillstart oder Fläschchenstart vor?
  • Welche Wünsche hast du zur Erstversorgung deines Babys?

Dein Geburtsplan darf flexibel sein, denn Geburten sind nicht vorhersehbar. Er ist ein Werkzeug, damit du dich sicherer fühlst und gut informiert in die Geburt gehst.

Wenn du im Krankenhaus oder in einem Geburtshaus entbinden möchtest, ist spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt für die Geburtsanmeldung. Viele Einrichtungen kombinieren sie direkt mit einem Geburtsplangespräch. Das bedeutet: Ihr besprecht gemeinsam wichtige Eckpunkte deiner Geburt und klärt, was medizinisch sinnvoll, möglich oder notwendig ist. Deine Wünsche dazu kannst du dann in deinem Geburtsplan festhalten.

Viele Einrichtungen bieten zusätzlich Infoabende oder Führungen durch den Kreißsaal bzw. Geburtsraum an. Das kann hilfreich sein, um ein Gefühl für den Ort zu bekommen und offene Fragen zu klären.

Jetzt erledigen: Kliniktasche packen

Noch hast du idealerweise ein paar Wochen bis zur Geburt, aber warum nicht in Ruhe deine Kliniktasche vorbereiten? So hast du alles griffbereit, wenn es losgeht – egal ob tagsüber oder mitten in der Nacht. Und: Stell sie an einen festen Ort – im Schlafzimmer, im Flur oder im Auto –, sodass du oder deine Begleitperson im entscheidenden Moment nicht lange suchen müssen.

Woran du denken solltest:

  • Ausreichend bequeme Kleidung für die Geburt und die Tage danach. Wähle Kleidungsstücke aus, die dir Bewegungsfreiheit geben und nicht am Bauch drücken. Lange Shirts, die bis über den Po reichen sind für die Geburt ideal. Oberteile mit Stillfunktion erleichtern das 1. Anlegen an die Brust und ermöglichen Hautkontakt.
  • Still-BH, Unterwäsche, Socken und Hausschuhe
  • Waschtasche mit Pflegeprodukten
  • Snacks und Getränke für Pausen zwischendurch
  • Ladegerät für Handy oder Kopfhörer
  • Wichtige Dokumente: Mutterpass, Versichertenkarte und ggf. dein Geburtsplan
  • Bargeld
  • Erste Kleidung für dein Baby

Eine kompakte Übersicht findest du in unserer Checkliste zum Download.

Kind

Digitale Schwangerschaftsbegleitung und Online-Kurse

Von Workouts über Ernährungstipps bis hin zur Online-Geburtsvorbereitung und Rückbildung: Nutze mit uns die Premium-Leistungen der Keleya-App und lass dich optimal durch die Schwangerschaft und Zeit danach begleiten. Als Versicherte*r der Pronova BKK bekommst du den Zugang zur App kostenfrei.